Himmel als Sieb

21. Januar 2012

„Der Himmel als Sieb“ *, durchlässig und abhaltend zugleich.
In einer jesuanischen Bildrede wird der Himmel mit einem Netz verglichen (Matthäus 13,47).
Aber warum nicht auch ein Sieb?
In einem Netz, das durchs Wasser gezogen wird, fängt sich Treibendes, Schwimmendes, Tauchendes – bloß alles Fließende strömt ungehindert hindurch.
Canetti fragt nicht danach, was im Himmelssieb hängen bleibt.
Ihn interessiert die Welt, „eine Welt unter einem solchen Himmel“. *
Wie sieht sie aus? Von welcher Beschaffenheit könnte sie sein?
„Das veränderliche Himmelssieb, je nach dem Verhalten der Menschen.“ *
Sind z.B. große Löcher wünschenswert, sollen die Öffnungen weit auseinander oder eng zusammen stehen? Passieren die Elemente, Ströme oder Teilchen von unten nach oben oder gibt es ein starkes Streben und Drängen von oben, aus dem Himmel zur Erde hinab? Befindet sich die Tiefe, aus der alles kommt, zu der alles geht, über oder unter dem Sieb?
Wer rüttelt es, dieses Sieb, den Himmel mit all seinen Poren, Lichtern, Nebeln und Sternen?

Weltgeschichte könnte sein alles, was durchs Himmelssieb passiert, staubfein gemahlen.
Vielleicht gehört der Thronengel Metatron zu den Wesen dort oben, die den Schatz, der sich aus dem Verhalten und den Tätigkeiten der Weltbewohner ansammelt, zwischen steinernen Rädern zermalmen. Andere sind diejenigen, die davon herabregnen lassen, das Feine zum Segen, das Grobe zum Fluch, Hagel und Hauch.

Die Geschichte vom Manna, vom „Brot“, das während der Wanderung durch die Wüste vom Himmel herabfiel, könnte nun neu gelesen werden.

*) Elias Canetti, Aufzeichnungen 1973-1984, München/Wien: Hanser 1999, 67

innere Stimme

20. Januar 2012

Lange nichts mehr von der inneren Stimme gehört.
Ein gutes Zeichen. Vielleicht.
Es kann bedeuten, es läuft schon alles ganz gut, keine Zwischenrufe notwendig.
Sie schaltet sich nicht mehr ein, fast automatisch, die innere Stimme.
Sie schweigt. Ein Schweigen, beredt. Es könnte Zustimmung meinen.
Es gibt zu verstehen: du weißt schon, du hast das alles auswendig. Du brauchst keine inwendigen Anweiser mehr, keinen Souffleurkasten irgendwo zwischen den Ohren.
Es läuft doch auch ohne ganz gut.
Also schon lange nichts mehr von Innen gehört. Keine Stimmen, keine Einwürfe, keine Kommandos. Erstaunlich – man kann sich auch d a r a n gewöhnen, an diese ungeheuere innere Stille, mit Ohrengeräuschen in der Peripherie: ein unentwegtes Klingeln und Sirren, das vielleicht von einem entfernten Tinnitus kommt, einen Dauerton abgibt, der an eine ferne Brandung erinnert. Eine ozeanische Ahnung, ein Echo von Weltmeer.

Jetzt teilt sich alles bedachter und stimmiger mit, in Anwandlungen, Gefühlen, Impulsen, die ebenso unmerklich wie fließend zu unspektakulären Vorgängen und Abläufen fortschreiten. Sie kommen dazu, werden das – gehen leichtfüßig wieder davon, mit Wink und sachter Empfehlung an dies oder das, was nach ihnen kommt.

Lernstücke

19. Januar 2012

„Man lernt nur von denen, die ganz anders sind als man selbst. Man beruhigt sich an den Verwandten.“ *
Die anderen leben und lehren das, was einem selbst fehlt. Sie verkörpern Desiderate, also Eigenschaften, die einem persönlich abgehen, die man aber heimlich und sehnlich begehrt. Doch: das einmal angenommene Fremde läuft zuweilen Gefahr, nie wirklich in Fleisch und Blut überzugehen. Vorteil und Nachteil zugleich, weil es bedeutet, daran und daraus lebenslänglich weiter zu lernen. Die Lektion hingegen, die Verwandte erteilen (gemeint sind die Verwandten im Geiste), kommt besser an. Einmal angekommen, sitzt sie.
Es ist unser Glück, dass die Geistesverwandten stets Gastgeschenke aus der Fremde mitbringen. Sie breiten sie (und sich) in unsrer besten Stube aus, in der Herzwunderkammer. Lehr- und Lernstücke. Bald sind sie dort heimisch und einer, der sich zuvor für ihren Wirt halten mochte, kehrt fortan bei ihnen als Gast ein.

*) Elias Canetti, Nachträge aus Hampstead, Zürich 1994, 34

was passiert

18. Januar 2012

passiert was

red & green

17. Januar 2012

red Redu

& generally Green

Erinnerung

16. Januar 2012

„Nur wenn die Erinnerung ganz da ist, so sehr da ist, dass sie sich ihm erfindet, fühlt er sich gerettet.“ *
Zu den Eigentümlichkeiten intensiver Gegenwart gehört, dass sie überfließt von Erinnerung.
Präsenz von Erinnerung bildet die Fülle von Gegenwart.
Eine Woge, deren Kamm der Zukunft entgegenträgt.
D a s ist dann Gegenwart, dieses Entgegengehen und Entgegenkommen in einem Vollgefühl von Fülle.
Daraus ein Sichten, Eröffnen, Erfinden ungesehener und unerschlossener Panoramen innerer und äußerer Natur.

*) Elias Canetti, Aufzeichnungen 1973-1984, München/Wien: Hanser 1999, 50

Phantomschmerz

15. Januar 2012

„Wenn er nicht schreibt, hat er Schmerzen“ *
Schmerzen, die an die des Propheten erinnern. Sie kommen von den unterdrückten,
im Innern zurückgehaltenen Worten. Sie brennen dort wie „eingeschlossenes Feuer“,
„a burning fire, shut up in my bones“, Jeremia 20,9.

*) Elias Canetti, Aufzeichnungen 1973-1984, München/Wien: Hanser 1999, 115

Wetterzeichen

14. Januar 2012

ausgebliebener Schnee

14. Januar 2012

in Position gebracht

14. Januar 2012

vor dem PC ist
hinter dem PC