Monatsarchiv für Mai 2012
schon wieder Tagebuch
Mittwoch, den 30. Mai 2012Die engagiertesten Gegner des täglichen Aufzeichnens findet man unter den Tagebuchschreibern.
Den Tag Revue passieren zu lassen halten sie für eine unsinnige Schau. Diarien sind eine Unsitte, eine üble Gewohnheit. Ein befremdender Einschlag in den ansonsten sinnvollen alltäglichen Ablauf. Du drehst dich neunzig Grad um die eigene Achse, wirst eingeholt von schlechten Gefühlen, halbherzigen Entschlüssen, defekten oder abhanden gekommenen Erinnerungen. Oder du kaust sie wieder, die schönen Stellen. Das Hohle holt dich ein und spottet deiner Rechtfertigungsversuche , du tätest als Buchhalter und Ökonom ja nichts andres als bloß eine Pflicht.
Die Unberechenbarkeit der künftigen Perioden (über die sich daher ja nichts Gültiges sagen lässt), mag zum Tagebuchschreiben anhalten. Oder die Notwendigkeit, aus gewissen Worten und festen Sätzen tagtäglich ein Bollwerk aufzurichten, eine Gegen-Warte gegen die Nächte zum Beispiel, die mit viel opulenteren Geschichten und Träumen aufwarten.
erledigt
Dienstag, den 29. Mai 2012Spuk
Montag, den 28. Mai 2012Nds.
Sonntag, den 27. Mai 2012schlüssellos
Samstag, den 26. Mai 2012Er drehte so lange am Schloss, bis er hindurchsehen konnte.
Dann schlug das Tor zu. Es stand wie gemauert.
Wer aus- oder eingehen wollte, musste sich nun durchs Guckloch mühen.
Keine Fuge, kein Spalt, kein Riss.
Es war alles wie zubetoniert, als wollte es in Ewigkeit bleiben.
„Zieh ihnen Grenzen, sagte er, sie brauchen Grenzen …“ *
*) E. Canetti, Nachträge aus Hampstead, 197
hier schoss …
Freitag, den 25. Mai 2012Sprachzeichen
Donnerstag, den 24. Mai 2012Perspektive
Donnerstag, den 24. Mai 2012Kukesburg
Mittwoch, den 23. Mai 2012In einem der kleinen Mittelgebirge östlich der Weser, in schwer zugänglichem Waldgebiet, liegt die Kukesburg. Die Reste einer Fliehburg seit der Zeit der Völkerwanderungen. Im neunzehnten Jahrhundert wurde dort Sandstein gebrochen. Man transportierte ihn nach Hannover und verwendete ihn daselbst zum Bau bedeutender öffentlicher Gebäude. Landesmuseum, Neues Rathaus. Die Steine waren von großer Mächtigkeit, ungewöhnlicher Dicke und hoher Qualität. So kamen einige davon auch nach Berlin. Man setzte sie beim Bau des Reichstags ins Mauerwerk ein. Sandstein brennt nicht. Wasser kann ihm nichts anhaben.
Der einstige Steinbruch, die Wälle der Fliehburg und gewachsene Felsformationen bilden ein Ensemble, das seine Wildheit menschlichen Eingriffen verdankt, dadurch, dass diese im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhundert von natürlichen Prozessen buchstäblich verschlungen wurden.
Der Name Kukesburg gibt Rätsel auf. Hat es einst einen Mann, ein Geschlecht dieses Namens gegeben?
Findet man Kukes im Verzeichnis der kleinen und großen unbekannten historischen Namen?
Von der alten Bezeichnung ‘Kukswall’ schließt man darauf, dass ‘Kukes” so viel wie ‘Grenze’ bedeutet.











