Monatsarchiv für April 2012

Hygiene

Montag, den 30. April 2012

Menschliche Unterschiedenheit findet in den Physiognomien ihren äußeren, sichtbaren Ausdruck. Aber Nasen, Münder und Augen bauen keine Differenzen zwischen Menschen auf, sondern Meinungen und Vorstellungen. Es sind insbesondere Einbildungen und Überzeugungen von dem, was rein, was hygienisch, was gesund sei (oder mache).
Diese Überzeugungen sind tief verankert und häufig ebenso unveränderlich wie Nasenform oder Augenfarbe. Das heißt, sie stehen in der Regel nicht zur Disposition und nicht zur Diskussion.
Die Stifter der Religionen und Begründer der Kulturen setzen an der Macht dieser Vorstellungen an. Sie geben ihnen durch Gebote, Satzungen, Riten und kultische Vorschriften eine einheitliche und verbindliche Gestalt. Sie kanalisieren und formatieren.
Die Reinheitsvorschriften, die im mosaischen Gesetz besonders plastisch zur Erscheinung kommen, sind im Prozess der Säkularisierung aufgeweicht, in der säkularen Sphäre durch individuelle Überzeugungen ersetzt worden.
Vermutlich überwölben immer noch kulturspezifische Anschauungen die individuellen Ansichten von dem, was ‚gesund‘ sei, was ‚hygienisch‘, was für schmutzig oder sauber, für rein oder unrein zu gelten habe. Aber die individuelle Einstellung hat sich vielfach gegen den „Überbau“ durchgesetzt. Im privaten Raum, in Küche und Bad, Bett und Klo stabilisieren sich solche Vorstellungen. In Marotten, Macken und Zwangshandlungen ertrotzen sie auf kleinem Raum eine zwar begrenzte, aber meist unumstößliche und unanfechtbare Geltung. Sie erzeugen Haltungen, die nicht nur im Intimbereich das Sagen und Bestimmen haben.

im Rohrschachtest

Sonntag, den 29. April 2012

Schattenboxen

CHATTER

Samstag, den 28. April 2012

Reminiszenz

Freitag, den 27. April 2012

Als der ‚rasende Reporter‘ im Dachstuhl der Prager Synagoge ankam und nachschaute, gab es nichts mehr. Fledermäuse hingen in Trauben zwischen den Balken, knöchelhoch Staub, uralte Spinnweben. Denn der Lehm, aus dem einst das Fleisch des Golem bestand, war verblichen, war weg. In einem späten Sonnenlichtstrahl, der durch die verschrobenen Dachpfannen fiel, führte das Iod, dieser Winzling unter den Buchstaben, einen wahnwitzigen Tanz auf. Korpuskulare Zahlen hüpften und sprangen durcheinander, schwer lesbare Ziffern reihten sich auf, reihten sich ein. Dann stieg am Himmel, der Prag überwölbte, der Mond auf.

Illu

Donnerstag, den 26. April 2012

strata & minationen

Fülle

Mittwoch, den 25. April 2012

Fülle und Leere machen sich gegenseitig erstrebenswert.
„Nirgendwo wäre genug, gäbe es nicht überall irgendwo ein Zuviel.“*

*) Joubert (1769 – 1799)

Erwartung

Dienstag, den 24. April 2012

Eine Erwartung ohne Illusionen ist hoffnungslos –
bloßes Kalkül.
In Hoffnung steckt Illusion und zirkuliert darin, wie Atem im Blutkreislauf.

Renaturierung

Montag, den 23. April 2012

zurück zu Natur

Zeit vergeht 4

Sonntag, den 22. April 2012

Zeit vergeht 3

Samstag, den 21. April 2012