wann Messias kommt

Jahrtausende hindurch wurde spekuliert, ob er wohl in Bälde käme. Zeitpunkte seiner Ankunft wurden errechnet, aus Indizien erlost. Heute ist man all dieser Spekulationen müde geworden, vielleicht infolge der Länge der vergehenden und nicht enden wollenden Zeit. Dabei haben wir heute eine Apparatur an der Hand, der wir zutrauen, auch das Fernste und Entlegenste zu errechnen. Es werden Messungen unternommen, die sich auf ganz Unwahrscheinliches beziehen, etwa auf den Umfang des Universums oder auf Geschwindigkeiten jenseits des Lichts.
Im vollen Besitz subtiler Kalkulationstechniken und verfügbarer Instrumentarien treibt es kaum jemanden an, den Zeitpunkt der Messiasankunft neu bestimmen zu wollen. Vielleicht, weil dies Ereignis das Ende einer Welt einleiten wird, an deren Fortdauer wir uns inzwischen gewöhnt haben, irgendwie ergeben und trotzig zugleich.
Möglicherweise ist das der richtige Weg, sein Kommen vorzubereiten. Ein Weggehen oder auch Wegdenken, das uns Gelegenheit gibt, auf ganz andere Gedanken zu kommen.
“The son of David will only come when our minds are distracted from him”.*
Irritierendes Flackern – sobald es zu dämmern beginnt, tut man gut daran, das Licht zu löschen, das man vor sich her trägt. Man sieht dann viel besser.

*) Talmudtraktat Sanhedrin 97a, nach Aryeh Kaplan, The Light Beyond, New York 1981, 349

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