Monatsarchiv für September 2011
im Modus des Möglichen
Donnerstag, den 29. September 2011Im Modus des Möglichen verharren, um das Wirkliche vorzustellen, in all seinen unterhaltsamen Varianten und Spielarten.
Das Mögliche abbrechen, um sich Zugang zu verschaffen zu Unmöglichkeiten, um endlich dem Wirklichen Eintritt zu geben.
Die Materialität der Welt, Schwerkraft und Masse, die damit leider einhergehen, zwingen das Mobile ins praktisch Unbestimmte.
Schade um diese Welt, in der immer noch Krämergeist und Profitstreben am meisten bewegen. Das bringt Augen und Warenströme zum Fließen.
Dabei könnte es hier, einmal ins Rollen gekommen, so leicht und lustig zugehen.
Zeitfraß
Mittwoch, den 28. September 2011Alle Dinge leiden unter Zeitfraß. Eintagsmotten mehr als ein Granitbrocken, der in einem Gletscher eingebacken ist. Das Bild vom Zahn der Zeit ist eine starke Untertreibung.
Hat Zeit unterschiedlich Appetit? Ist sie wählerisch, geschmäcklerisch?
Einen Blitz verschlingt die Zeit, kaum dass er erschienen ist. Für einen Donner braucht es schon etwas länger.
Gewiss, sie kaut auch wieder, breit hingelagert wie ein gewaltiges Rindvieh.
Die Verdauungsgeräusche gehen wie elektromagnetische Stürme durchs Universum. Kein Messgerät, weder Auge noch Ohr vermag ihr dunkles Rauschen aufzuzeichnen.
Zeit frisst und entschädigt dadurch, dass auch sie sich fressen lässt.
Du verspeist meine Zeit, ich verspeise deine Zeit. Davon lebt alles Zusammensein, jede Geselligkeit, jedes Leben.
Zeitessen nährt und macht dabei hungrig. Es unterhält einen Hunger nach immer größeren Zeitbrocken, nach abgesprengten Ewigkeiten. Man wird nie wirklich satt. Aber man lebt davon. Am Ende stirbt man daran.

Schieflage
Dienstag, den 27. September 2011Kompensation
Dienstag, den 27. September 2011Verlauf fraglich
Montag, den 26. September 2011wann Messias kommt
Montag, den 26. September 2011Jahrtausende hindurch wurde spekuliert, ob er wohl in Bälde käme. Zeitpunkte seiner Ankunft wurden errechnet, aus Indizien erlost. Heute ist man all dieser Spekulationen müde geworden, vielleicht infolge der Länge der vergehenden und nicht enden wollenden Zeit. Dabei haben wir heute eine Apparatur an der Hand, der wir zutrauen, auch das Fernste und Entlegenste zu errechnen. Es werden Messungen unternommen, die sich auf ganz Unwahrscheinliches beziehen, etwa auf den Umfang des Universums oder auf Geschwindigkeiten jenseits des Lichts.
Im vollen Besitz subtiler Kalkulationstechniken und verfügbarer Instrumentarien treibt es kaum jemanden an, den Zeitpunkt der Messiasankunft neu bestimmen zu wollen. Vielleicht, weil dies Ereignis das Ende einer Welt einleiten wird, an deren Fortdauer wir uns inzwischen gewöhnt haben, irgendwie ergeben und trotzig zugleich.
Möglicherweise ist das der richtige Weg, sein Kommen vorzubereiten. Ein Weggehen oder auch Wegdenken, das uns Gelegenheit gibt, auf ganz andere Gedanken zu kommen.
“The son of David will only come when our minds are distracted from him”.*
Irritierendes Flackern – sobald es zu dämmern beginnt, tut man gut daran, das Licht zu löschen, das man vor sich her trägt. Man sieht dann viel besser.
*) Talmudtraktat Sanhedrin 97a, nach Aryeh Kaplan, The Light Beyond, New York 1981, 349
im Film
Sonntag, den 25. September 2011… als handelte man in einem Film, den andere drehen.
Ein stellenweise alter Film, in dem es flimmert und regnet.
Ein phasenweise spannender Streifen, der immer wieder reißt und doch weiterläuft, dank findiger Technik.
Die Rollen sind nicht immer gerecht verteilt. Es gibt Akteure, die ganz an den Rand gesetzt, gleichsam abgedrängt sind, dort, wo im analogen Zeitalter die Perforation lief. Sie haben kaum Chancen, wenig Beinfreiheit, keinen Raum, um wirklich zu agieren. Ihre Aktionen bleiben durch und durch virtuell. Sie gehen über den Rand des Streifens hinaus, über den Saum des Films, der Tag und Nacht silbern leuchtet wie ein Nordmeer, wenn elektromagnetisches Licht drauf liegt, wenn ein Sonnenwind darüber hinwegfährt.
Personen, Geschehen – die Filmmetapher drängt sich gerne auf, in welcher Wirklichkeit auch immer man umgeht. Vermeintlich ‚falsche’ Filme sind Irrtum, weil es “falsche“ Filme nicht gibt, sondern bloß Streifen mit offenem Ausgang und schwer zu erzielendem Ende.
Seit Erfindung des Films liegt sie nahe, diese Metapher des Films.
Sie liegen der Wirklichkeit an wie eine zweite oder gar erste Haut.
In Übereinstimmung damit heißen sie peliculas. Das ist ‚Häutchen’ auf Spanisch.
Statisten sind ein wesentliches Inventar in einem Film.
Außerdem gibt es Personen, die hinter den Kulissen oder im Off vertreten bzw. verteilt sind. Nicht zu vergessen die Stuntmen, die anonym und unerkennbar in der Realität, die der Film ablichtet, in der Wirklichkeit, mit der er sich befasst, ihrem gefährlichen Gewerbe nachgehen.
Vorahnung und Nachahmung
Samstag, den 24. September 2011im Gegensinn
Freitag, den 23. September 2011alles hat einen Gegensinn
den es gewinnt und beim Drehen verliert,
in der Drehung einnimmt und einbüßt zugleich –
nur Gegenwart ist ohne Gegenwert.





