Monatsarchiv für Januar 2011

immer noch besser

Montag, den 31. Januar 2011

lieber an zwei schlechten
Augen
leiden als an einem einzigen
bösen.
*
das “Gute” ist nicht unbedingt &  durchgängig gut:
also die alten sprengen und neue
Konzepte von “gut” entwickeln,
vielleicht tritt ein
 wenig Besserung 
ein.
*

Menschheit, die so genannte

Montag, den 31. Januar 2011

Sie ist so beschaffen, dass sie ohne Spiegel und Bild durch die Weltgegenden und Zeitalter irrt. Ihr Anblick ist in ihren Entwürfen,  Albträumen,  in ihren kühnsten Improvisationen. Nur dort. Aber sie lässt alles hinter sich. Alles Brauchbare lässt sie hinter sich, weil es sich im Handumdrehen verbraucht. In gespenstischen Nutzlosigkeiten, in den Spielen, die sie mit dem Zufall anstiftet, fasziniert sie das Treiben von Spiegelungen und Schatten, die aus einer anderen Wirklichkeit in ihre inneren Hohlräume fallen.

Nabel

Sonntag, den 30. Januar 2011

Es gibt generell akzeptierte und generell verworfene Formen von Beschauung und Betrachtung. Die Bauchnabelschau steht in schlechtem Ruf. Dennoch soll ein Versuch in diese Richtung gemacht werden.
Nabel im Nebel.
Nabel versinken im Bauch, in der Fülle der Bäuche, in Bauchgewölben gehen sie unter.
Dort müssen sie also gesucht werden.
Nabel im Nebel
Schwaden, die über Fettbuckel und Gewölbe streichen,
Anhöhen eines Bauches, Anhöhen von lagernden, stehenden, hängenden Bäuchen.
Buddha und die Etrusker hatten ausgebildete, hatten ansehnliche Bäuche mit Nabeln,
die sie mit Wonne und Leidenschaft vorzeigten
Wir sehen sie heute noch, diese Bäuche von Liegenden, Tafelnden, Sitzenden, Träumenden, Lächelnden.
Die Etrusker und Buddha haben lächelnde, wunderbar plastische Bäuche bis zum heutigen Tag.
Es gibt auch finstere Bäuche, wo im Speck Nächtliches haust, wo in den Schwarten,
in schluchtartigen Spalten Dunkel dahinzieht, wo man beinah erstickt und erdrückt wird in Windungen, die wulstig und schwer sich auf einen legen, auf einen Nabel zulaufen, den man nirgends mehr findet.
Manche Bäuche sind so, dass sie unter Polstern, Hügeln und Wülsten den Nabel vergraben. Aber: in jedem Bauch gibt es den entsprechenden Nabel.
Es gibt keinen Bauch ohne Nabel.

Zu jedem Nabel gehört ursprünglich eine Schnur. Sie ist innen hohl, also eigentlich eher Schlauch als Schnur.
Sobald das frisch Geborene aus dem Leib der Mutter hervorgetreten ist, wird diese ursprüngliche Verbindung gekappt. Die Hebamme macht einen Knoten in die Schnur, ein Knoten, der dann die Leibesmitte des Kindes kenntlich macht, kennzeichnet und gleichzeitig schließt.
Es bleibt in der Regel nur diese eingefleischte, manchmal an einen Knopf, manchmal an einen winzigen Rosenkohl, manchmal an eine Kornblumenknospe erinnernde Schließe.
Sie steht für ein stummes, konturloses, irgendwie verlorenes und verschollenes Dasein in den Bauchgewölben der Mutter, in den Tiefen einer nährenden und formativen Materie.
Daraus bin ich hervorgequollen, sagt das Kind später, wenn es einmal der Frage nach seiner Herkunft nachgehen sollte, Blick und Finger demonstrativ auf den Nabel gerichtet.

nicht vergebens

Samstag, den 29. Januar 2011

Über Jahre mit Planung beschäftigt.
Und das Ergebnis davon?

Drei Sekunden Intuition

Wunder Punkt

Freitag, den 28. Januar 2011

unter der Rubrik “Seiten”
hat sich als vorläufig letzte Seite
eingefunden eine Betrachtung mit dem Titel
“Wunder Punkt”,
eine Betrachtung in zwei Teilen.

Es geht dort über Schwebephänomene zwischen
Etwas und Nichts

Erklärungsbedarf

Donnerstag, den 27. Januar 2011

ehe ich gleich in Rage gerate –

erklär mir schnell noch mal was
das ist!

Vergeistigung, entlarvt

Mittwoch, den 26. Januar 2011

In der geistesgeschichtlichen Tradition des Westens hat der Geist seit jeher den Vogel vor der Materie abgeschossen. Der Geist: das Schoß- und Busenwesen der Denker, der Gläubigen, dessen Vorrang in Künsten und Wissenschaften unbestritten geblieben ist. Dabei weiß jedes Kind, dass alle lebenswichtigen Dinge aus Stoff gemacht sind, dass sie sich deswegen anfassen, betasten, fühlen und schmecken lassen. Geist und Geister hingegen sind nur vom Hörensagen bekannt, rechnen aber zugleich unter die Dinge, die so zählebig und unwiderlegbar sind, weil es sie eigentlich nur als dauerhaft subventionierte Behauptungen gibt.
Der hebräische Wort für Geist, ruach, hat gleichzeitig die Bedeutung von Wind.
Diese stoffliche Seite des Geistes hat in den weniger gebildeten Schichten des jüdischen Volkes seit jeher das Ansehen des Geistes, wie ihn Theologen und Philosophen hochhalten, nicht gerade begünstigt.
So sagte man etwa zu einer unsteten und windigen Person, “Das is e Ruach!”, also soviel wie Luftikus oder Windbeutel , ohne dabei im geringsten auf irgendwelche höheren Geistesgaben abzuheben.
Dazu dann die Wendung, “‘Er hot alles verruecht’, d.h. in Genusssucht vertan.”
Vielleicht muss man sich im Westen, nach zweieinhalb tausend Jahren geistesgeschichtlich verantworteter Realgeschichte einen ähnlichen Vorwurf gefallen lassen:
                                         “Wir hom alles verruecht!”

ersehnt und unbekannt

Dienstag, den 25. Januar 2011

A: Über die biblische Figur “Menschensohn” ist viel gerätselt worden.
B: Ist er es oder ist er es nicht?
A: Ist es endlich sie oder ist es sie nicht?
B: Menschenkind – so oder so -
ein Geschöpf oder Wesen,
nach dem die ganze
Menschheit seufzt und
möchte, dass es endlich
aus ihr hervorgehe,
damit Erlösung endlich
anfangen kann!

Hebräerbrief 9,26

Dienstag, den 25. Januar 2011

Vielleicht ist es doch so, dass der Messias, dass Christus “viele Male seit der Erschaffung der Welt (hat) leiden müssen”, und nicht nur ein einziges Mal, wie der Verfasser des Hebräerbriefs annimmt. Die Auffassung, er habe auf Golgatha sein Leiden abgeschlossen, um danach in eine leidensfreie und überweltlich-außerweltliche Existenz eingegangen zu sein, erscheint nicht nur als ausgeklügelte theologische Konstruktion, sondern auch kaltsinnig und pervers im Hinblick auf das unleugbar fortdauernde Leiden in dieser Welt, als vollzöge es sich gleichsam außerhalb des Leibes Christi.
In der Setzung, der Erlöser habe nur ein einziges Mal gelitten, steckt eine Missachtung und Verleugnung der fortdauernden Solidarität und Mitgeschöpflichkeit mit der weiterhin bedrängten und gequälten Kreatur, einer Mitleidenschaft, die wir dem Menschensohn vorbehaltlos und rückhaltlos unterstellen wollen.

Sprüche 20,5

Montag, den 24. Januar 2011

“Tiefes Wasser ist die Gesinnung
im Herzen einer Person,
die einsichtige Person aber
schöpft sie herauf”.
Ein dunkles und spiegelndes Element, ein nachfließendes
Grundwasser ist die Gesinnung im Herzen einer Person.
Die einsichtige Person aber schöpft ohne Kelle und Eimer herauf,
frühe bis spät.

So tränkt sie ihr Vieh und die
Blumen im Bauch.