Monatsarchiv für Juli 2010

vor der Einsiedelei

Mittwoch, den 21. Juli 2010


ein frommer Ort, noch stiller als vorher:
der Anachoret ist unbekannt
stillschweigend verzogen.

Klage

Dienstag, den 20. Juli 2010

tröstet, sobald man sie aus voller Brust singt.
Gesungene Klage ist voller Trost.
Gesprochene Klage bleibt voller Jammer.

Seher

Montag, den 19. Juli 2010

Sehen ist noch lange kein Zeigen;
aber auch Zeigen macht selten nur
sichtbar

 

Mücken

Sonntag, den 18. Juli 2010

Bei Lerchen weiß man, sie sind in der Luft, um zu singen;
Schwalben sind dort, um Insekten zu fangen.
Aber was treibt Mücken, diese Schwärme aus Mücken, in die Luft hinaus?
- außer, dass sie dort tanzen …
Sie singen doch nicht und
Nahrung gibt es
woanders.
Trotzdem, sie tanzen wie von Sinnen und
zu Milliarden im Licht.

bei sich selbst

Samstag, den 17. Juli 2010

wäre da nicht diese ungeheuere und provokante
Eigenfremdheit,
es gäbe kein Selbstvertrauen.
In der tiefsten Vertrautheit steckt sie, diese
eigene Fremdheit.

Waldesgrund

Freitag, den 16. Juli 2010

Es wimmelt im zappelnden Wasser, aber
weiß nicht,
was es ist.
Es zappelt unter Wolken- und Baumschatten.
Es zappelt von Molchen, Tauchkäfern, Quappen, winzigkleinen Reptilien.
Dazwischen ein Getümmel aus gewimperten und amphibischen Wesen.
Fast alle versteckt, fast alle verlarvt.
Ihre Gestalt:
im Morast ein Reflex, ein flüchtiges Leuchten,
ein Fragment eines Schattens.

Aufschrift am Eingang zu einem Heiligtum

Donnerstag, den 15. Juli 2010

Hab Mut
zur Ehrfurcht!

in Hitzewellen

Mittwoch, den 14. Juli 2010

technische Fehlleistung

Dienstag, den 13. Juli 2010

wenn die automatische Stimme im Bahnhof Neustadt am Rübengebirge
den Ortsnamen Wunstorf ausspricht, kommt
bei über 32 Grad Celsius unvermeidlich Wundstopf,
ein verballhorntes Woodstock heraus.

in memoriam

Montag, den 12. Juli 2010

in Erinnerung an eine melancholische
Skulptur des Künstlers Auguste Rodin: