Monatsarchiv für Juni 2010

verkehrtes Wünschen

Mittwoch, den 16. Juni 2010

er hatte sich Täler gewünscht
aber es kamen Berge stattdessen
es kamen Tafelberge
auf  ihn zu

weiß

Dienstag, den 15. Juni 2010

A: … du weißt aber ganz gut -
B: ich weiß ich weiß …

Symbiosen

Dienstag, den 15. Juni 2010

ein leidliches Auskommen haben

miteinander

oder zu zweit

im Wald

Montag, den 14. Juni 2010

Ein Wald eröffnet ungeahnte, einwärts mündende Räume. Sie erschließen einen gemeinsamen Innenraum. Mücken und Ameisen, Farne und Vögel artikulieren dort ihre eigenen Dialekte. Doch verständigen sie sich unter einander, als hätten sie den e i n e n Gesang behalten.
Draußen, da bemühen wir uns krakeelend, krächzend und stammelnd.
So geht es natürlich auch.
Aber aus irgendwelchen Frühzeiten ist in den meisten Waldstücken und Waldresten ein anhaltendes inneres Rauschen geblieben.
Es hängt zwischen den Wipfeln und rauscht.
Ein vernehmbarer, ein einvernehmlicher Anteil jener sonderbaren Gemüter, die sich jahreszeitlich zwischen den Bäumen verlieren.

Empfehlung

Sonntag, den 13. Juni 2010

Hab Sonne im Ofen

zu Fuß und zu Rad

Samstag, den 12. Juni 2010

Beim Radfahren meint Absteigen manchmal Aufsteigen, steigen bergauf.
Absteigen als Aufstieg auf der Beschaulichkeitsskala, die die Gemüter erhebt.
Alle Aufgestiegenen steigen irgendwann wieder ab.
Riesenrad oder Drehscheibe.
Im Aufstieg ist Abstieg versteckt und in jeder Absteige eine gegenläufige Chance.
Die ganze Welt ist im mittelalterlichen Gleichnis ein Glücksrad, auf dem die Aufsteigenden absteigen und wo aus Absteigern Aufsteiger werden.
Oder eine rotierende Scheibe, auf der die Kügelchen aus einer Mulde in die andere, aus einer Grube in die andere hüpfen.
Und noch etwas: mit dem irgendwann erfolgten Einstieg ist auch die Hoffnung auf einen erfolgreichen Ausstieg gegeben.
Dann gehen wir alle wieder, beschwingt und beflügelt, zu Fuß.

entschlossene Skepsis

Freitag, den 11. Juni 2010

Jeder Zweifel ist ein Sprungbrett, meinte der Skeptiker,
ehe er vom Eiffelturm den Sprung ins Mittelmeer wagte.

Waldbodenhummeln

Donnerstag, den 10. Juni 2010

Schwarz und pelzig sind sie, ihr Hinterteil ist übergroß in Leuchtorange übersetzt, gepolstert oder gebläht.
Ihr Flug dicht über dem Boden grenzt an das Schwirren eines Hubschraubers.
Nach der Landung fangen sie an zu graben, wild und entschlossen.
Sie graben nach winzigen Hefen und Rauschpilzen, nach in der Tiefe aufgeplatzten Bucheckern.
Sie graben und buddeln, ohne dafür eigentlich ausgerüstet zu sein, anders als Grabwespen oder Holzböcke. So finden sie, umständlich genug, ihre Nahrung und führen Gänge aus mit abzweigenden Sackgassen, in denen sie ihre Brut aussetzen. Sie schachten extrem tief, ohne die geringste Entlohnung dafür zu erwarten.

Exegese

Mittwoch, den 9. Juni 2010

eine Maschine?
eine Form der Auslegung
von Automatismen

letzte Chance

Dienstag, den 8. Juni 2010

vorhin, beim letzten Kuckucksruf,
geschwind noch
30 Cent in den
Hut geworfen.