Monatsarchiv für Juni 2010

im Bergwald

Mittwoch, den 23. Juni 2010

ersehnte Abwechslung für einen Fliegenschwarm: ein schwitzend herankeuchender Mensch.
Endlich eine Erfrischung, fächeln sie einander in ihrer Tanzsprache zu, ein Abenteuer:
jemand hat zu uns gefunden.

Brennnesselgesellschaft

Mittwoch, den 23. Juni 2010

Beim Gehen eines Menschen durch ein Brennnesselfeld fällt der Entscheid uneinheitlich aus: manche brennen, andere brennen nicht.
Einige halten sich an irgendeine Abmachung oder Übereinkunft, andere nicht.

Zahn der Zeit

Dienstag, den 22. Juni 2010

Auch dort, wo Gras über die Schlafenden wächst, auch dort nagt er.

Auf Friedhöfen, in Friedwäldern nimmt er Gestalt an und verliert sie wieder.

Bieber, Eichhorn und Maus finden sich mit ihren fein geschliffenen Nagezähnen ein.

Die Maus schimmert orange. Sie möchte anonym bleiben.

Das Eichhorn ist unschlüssig. Es fragt:

“Soll ich ausgraben? soll ich vergraben?
Graben für jetzt oder vergraben für später?”

Dann tritt eine Gruft auf, in der es hohl und dunkel ist, mit Rücksicht auf den tiefen Schlaf, der noch etliche Zeit zu halten ist.

Dann ein Gewölbe. Es setzt einen sitzenden Engel in Szene. Er breitet die Flügel aus über einem leeren Sarkophag  den sechs eingewölbte Mulden tragen.

Die Spanne zwischen Jerusalem und Bethlehem ist mit Mosaiksteinchen gepflastert.

2 Beiträge zum Thema “Tod”

Montag, den 21. Juni 2010

In der ersten Zeit, wenn man gestorben ist,
ist es sehr schwierig.
Nach und nach wird es dann besser.
Es wächst mählich Gras über die Sache.

“Bitte nach Ihnen”, sagte der Sterbende zum Tod
Er sagte es an engsten Stelle.

Optionen

Sonntag, den 20. Juni 2010

rechts: Möchtest du mit deiner gegenwärtigen Seele wiedergeboren werden oder willst du, dass auch sie ausgewechselt wird? Ziehst du einen totalen Austausch vor?
links: Ja. Aber sicherheitshalber werde ich noch einmal zu Rate gehen in mir.

Wolken

Samstag, den 19. Juni 2010

Heute ein Tag der Wolken. Ein Tag der Schauer und der Wolken mit heiteren Zwischenstücken.
Die Wolken: sie senken sich da und dort. Sie kommen mit Getöse auf die flache Landschaft hinab. Auf die Waldränder, dass es nur so raucht. Ein zügiger Wind treibt sie am Horizont entlang. Sie streifen Waldstücke, gehen wuchtig über grüne Gehölze. Sie zögern nicht, sie wandeln und entladen sich geräuschlos. Sie wandeln und verwandeln sich ohne Hast, aber auch ohne je zu verweilen. Keine Gestalt nehmen sie an, weder Berge noch Burgen, weder Wolkenkratzer noch Klüfte können sie halten. Sie gehen durch alles hindurch, durch das Blau, das sie trägt, als wäre es Luft. Sie tun das alles ganz leise, in der Stille, die sie dahindriften lässt. Nur ihr ungeheuer, ja tumultuarisch aufgewölbter Anblick verrät das Getöse, das in ihrem Inneren vorgeht.
In ihrem Flug , in ihrem beharrlichen Dahinsegeln eröffnen sie immer neue Fernen, die gleichsam ihre blauen Heimaten sind.
Uns jedoch kommen sie aus der Zukunft entgegen. Dorthin laufen sie auch wieder zurück, sie laufen davon, wenn man so will.
Wenn sie stehen müssten, die Wolken, sie würden kraftlos zerfließen, sie müssten sich in Bälde auflösen.
Aber so türmen sie.
Schwinde auch du, umwölktes Gemüt, und löse dich
in Wohlgefallen auf!

immer schon gewusst

Freitag, den 18. Juni 2010

Wissen könnte befreien, wenn wir darin
nur nicht so eingeklemmt wären.

Es gibt Raum genug.

Aber wo es beklemmt,
macht man sich unnötig den Platz streitig.

Glück gehabt

Donnerstag, den 17. Juni 2010

eine Ameise unter Ameisen zu sein -
ich würde durchdrehen!

Paradiese

Donnerstag, den 17. Juni 2010

Als wäre es die Vertreibung aus dem Paradies, aus der alle Süchte entspringen.
Sind nicht alle Süchte und Sehnsüchte auf künstliche oder eingebildete Paradiese aus, die für das verlorene entschädigen sollen?
Sie haben den richtigen Riecher: vermutlich war bereits das scheinbar verlorene
Imagination, Prothese, Kunst  …

es rauscht im Rauschen

Mittwoch, den 16. Juni 2010

Überdruss, Gewöhnung oder Betäubung –
keine Ahnung
jedenfalls
kann ich einfach nicht mehr
dieses Weiße Rauschen
hören