Monatsarchiv für Mai 2010

Metahypnologie

Montag, den 31. Mai 2010

eine M. entwickeln
also eine Lehre von den Dingen
hinter dem Schlaf

ohne Schwerter

Sonntag, den 30. Mai 2010

hoch dekoriert:
Eichenlaub mit Efeu

noch mehr zu den Fröschen

Samstag, den 29. Mai 2010

Ihr Alarm:
Bei Fröschen gibt es keinen Warnruf.
Bei Enten und Wasserhühnern schon.
Die Stille, zu der die Froschschar schlagartig verstummt,
sie könnte als ein Warnschweigen gedeutet werden.

Ihr Naturell:
quaken sie, weil sie so fröhlich sind?
oder stimmt sie ihr Quaken so froh?
Zwischen Jahreszeiten liegen lange Pausen, in denen sie unfroh schweigen.
Nur ganz vereinzelt eine verlassene Stimme, mal da, mal dort, aber keine Chöre oder Choräle.

Flucht in die Reglosigkeit

Samstag, den 29. Mai 2010

wir richten uns auf Schrecken
sagt einer zum andren
wir richten uns auf Menschen ein
sie könnten kommen
nur nicht weglaufen
keine Bewegung
weg d u c k e n !

schau den Schüttelfalken

Freitag, den 28. Mai 2010

Langjährige Erfahrung bringt den Schulterschluss mit dem Erinnern.
Sie bringt den Schüttelfalken dazu, bei starkem Wind unverrückbar in der Schwebe stehen zu bleiben über einem winzigen Punkt im Feld unter ihm, vielleicht zwanzig Meter oberhalb eines Mauselochs. Da steht er und schwebt, wie festgepflockt in der Luft.

beim Einschlaf

Donnerstag, den 27. Mai 2010

Es geht von den Zehen durch Bäuche, Bäume und Kopf.
Luft zieht durch Nasenlöcher wie Wind, eines neben dem anderen.
Es wedelt und streicht über Backen, in denen geschlossene Augen allmählich versinken. Gesichtsteile.
Fetzen streifen durch einen Sinn, der an die sonderbarsten Dinge erinnert, sich an Hergelaufnes verliert – wo rührt das her? wo zieht das bloß hin?
Gedanken drehen wie Kringel, entweichen feinen Spalten, Haarrissen, Röhren.
Gequirlte Schwaden. Sie ziehen als heiterer Dekor und Beipack über die Landschaft.
Schon platzt im Brustkorb Packpapier auf mit sperrigen Inhalten.
Es spreizt und streut aus in gewölbtem Halbdunkel – ein Krippenraum im hinteren Brustbein vermutlich – holla! da
döst es ja da oder dort, sinkt blubbernd zurück in seine eiern eiernde Schale,
in gewobenes Grün, eingemacht ist dort das Futter,
Schmuckbänder genäht. Anschließen Felder, Vogeltränken erhöht, Matratzenlager auf gelbem Gewächs, tausenderlei Springkraut, das im plötzlichen Wegsacken aufhüpft.

Lotto

Mittwoch, den 26. Mai 2010

schwindlig.
in der Glücksspirale.

im Durchschein

Mittwoch, den 26. Mai 2010

durchs Glas nach drinnen, nach draußen,
durchs Fenster nach hinten, nach vorne.
Egal –
nicht alle Spiegel zerren,
nicht alle Grimassen sind grimmig.

ausgeblüht aufgeglüht

Dienstag, den 25. Mai 2010

was an Blüten aus den Bäumen herab
fällt, fällt auf dem Boden
als Sternenstaub auf.

über den Kuckuck

Montag, den 24. Mai 2010

Der Kuckuck könnte, seinem Ruf nach zu urteilen, auch Paku heißen oder Hu-ku.
Vielleicht heißen so einige Kuckucke, man weiß es nicht. Diese und ähnlich klingende Namen sind heute gerufen, ein paar Mal hinter der Kückenmühle.

Wenn ein Kuckuck gerufen hat, hält er für einen Moment ganz still. Er wartet nicht immer auf eine Antwort, sondern auf die Rückkehr des Rufs, auf eine Art Echo. Er erzeugt dieses Echo im Ruf der Laute, denen er seinen Namen verdankt. Der Ruf geht aus, schallt wider, immer und immer wieder, weil das Echo in ihm selbst ist.

Aber an manchen Tagen scheint es, als habe der Vogel vergeblich gewartet. Dann sieht man ihn in der Abenddämmerung schweigend aus seinem Baum hervor- und davonfliegen.
Er bedauert, sein Ruf war heute umsonst.

Kein anderes geflügeltes Wesen hat ein so gutes Lautverständnis. Die Nachtigall ist musikalischer, die Lerche schlägt kühnere Töne. Aber ein Kuckuck hört aus jedem Rufen heraus, wie der heißt, der da ruft und welcher Nachbar in den fernen Bäumen, vielleicht sogar außer Rufweite, da gerade begrüßt und beim Namen genannt wird.