Monatsarchiv für Februar 2010

im Blick

Montag, den 8. Februar 2010

im-blick.jpgRealität gibt bei jedem Blick Bilder ab.

Sie lösen sich davon ab. Sie sind abziehbar.

In der Netzhaut kommen sie an, sickern durch, unsichtbar.

Du hast es im Blick oder auch nicht.

Später einmal, wenn du groß bist, lassen sie sich mit Händen, Füßen und Augen zurückerstatten.

Dann probieren sie, wie zum Spaß, die unmöglichsten Dinge an.

Fertigkeiten

Sonntag, den 7. Februar 2010

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immer wieder fasziniert von der Fertigkeit eines Bildes -
aber soll man dabei stehen bleiben?

                                                                                                                        und was wenn?

gehen

Samstag, den 6. Februar 2010

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auf der Strecke

ups!

Freitag, den 5. Februar 2010

Jede Sprache hat gewisse Worte oder auch nur Laute, die nicht vorgesprochen sind und nicht nachgemacht werden, sondern authentisch aus Menschen und Mündern hervor fahren als eigentümlicher und unnachahmlicher Ausdruck starker Gefühlswallungen. Schmerz, Lust und Erschrecken haben ihre je spezifischen Lautgemälde: Autsch, aua, mmmmmhhhh, ups!

Ups gibt es auch in anderen Sprachen. Man hört es, wo französisch oder englisch gesprochen wird. Es wird dort überall in gleicher, jedenfalls in ähnlicher Weise gesprochen oder vielmehr hervorgestoßen. Nur die Verschriftlichungen fallen da und dort unterschiedlich aus.

Im Augenblick des Erschreckens entfährt es – soll man sagen unwillkürlich? unvermeidlich?  automatisch? spontan?

Es scheint in der Tat der vom Schreck gepackte Körper zu sein. Er erzeugt dieses Lautwort, diesen Wortlaut. Daran ist nichts vorbedacht, nichts vorsätzlich oder eingeflößt von Kopf, Herz, Bauch oder sonst einem Organ oder Teil.

Es ist unvermeidlich wie das Zucken eines Lids, das einsetzt, sobald eine Fliege sich zwischen den Wimpern gefangen hat. Oder wie schützend vors Gesicht gehobenen Hände, wenn dein Gegenüber zur Ohrfeige ausholt.

Doch im Falle des Ups liegen die Dinge sogar noch ein wenig anders.

Denn es scheint, dass – ups! – in dieser Abfolge von labialen und dentalen Lauten nicht nur ein mechanisches oder instinktives Moment liegt, sondern die seltene Qualität eines Abwehrzaubers.
Ein magischer Laut, ja, ein Lautbild, das der Körper im Augenblick des Erschreckens hervorschleudert mit erheblicher Kraft. Da geht ein impulsives Zusammenwirken aller Glieder vonstatten und gestaltet in Eile, in unvorstellbarer Geschwindigkeit eine Formel, ein Wort, das im üblichen Sprachgebrauch keinerlei Sinn hat.

Gewiss, an der Lautbildung sind in erster Linie die Sprechorgane beteiligt: durch Zusammenpressen der Lippen, Stoß der Zunge gegen die fast geschlossenen Zahnreihen usw. Aber die darin liegende apotropäische, also magisch schützende und zugleich abwendende Wirkung verdankt sich dem gesamten Leib. Das ist seine wirkliche Quelle.

Es soll einen Paketservice geben, den man gelegentlich mit braunen Lieferwagen durch die Städte fahren sieht. Er hat scheint’s diesen Ausruf als Firmennamen übernommen: ein Kürzel für “United Parcel Service”.

Hat diese Übernahme die Paketbeförderung begünstigt, behindert, beschleunigt?

Es liegen dazu noch keine Untersuchungen vor.

Jedenfalls: der gleichnamigen Schreckensartikulation hat es bisher nicht geschadet.

Unfrankiert, wie ohne Absender und Adresse bahnt sich unser Ups weiterhin selbständig seinen Weg durch all die großen und kleinen Hindernisse, Fallen und Stolpersteine, die eben diesen Weg bedecken, wie Wellenkämme und Gischt ein stürmisches Wasserglas.

Demut

Donnerstag, den 4. Februar 2010

Man liest: “in dem Augenblick, in dem du, demütiger Mensch, über deine Demut nachdenkst, ist sie auf und davon. Sie gehört zu den Dingen, die zu scheu sind, um sich bedenken zu lassen. Schönheit, Liebe, Licht und vielerlei mehr sind ähnlich scheu und – nennen wir sie lieber gar nicht erst beim Namen – wir könnten sie sonst gänzlich zum Verschwinden bringen.

Sie sind einfach – sagen wir: einfach zu subtil – um sich in Betracht ziehen und langwierige Untersuchungen über sich ergehen zu lassen.”

 

Immerhin: da gibt es, wie in fast allen so gelagerten Fälle, wenigstens das Wort. Damit lässt sich zwar nicht die Sache und ihr Wesen einfangen, doch geben Worte und Namen die Möglichkeit, wenigstens vorübergehend sich daran festzuhalten.

Damit erst einmal vorlieb nehmen.

Denn Worte sind gespeist von langer und vielfältiger Erfahrung, sonst wären sie schon längst aufgerieben, zunichte oder verschwunden wie die immer wieder entschwindende Sache.

Sie aber bestehen fort. Das spricht für sie, ein wenig auch für die angesprochene Sache.

 

Im vorliegenden Fall, wo es um Demut geht: im Wort steckt unzweifelhaft Mut, aber umfassender als bloße Kühnheit. Bei muot handelt sich um einen alten, heute ungebräuchlich gewordenen Seelennamen. Er taucht auf in Unmut und Anmut zum Beispiel.

 

Die erste Worthälfte, dies De-, geht auf dieselbe Wurzel wie dienen zurück. Dienen hat keinen erhebenden Klang. Und doch meint es zunächst nichts anderes als für jemanden etwas tun. Eine Form der Tätigkeit, in der nichts Herbsetzendes oder Entwürdigendes, nichts Sklavisches oder Knechtisches zu finden ist. Demut verstehen als Entschlossenheit, für andere, also nicht in unmittelbar eigener Sache, etwas zu machen, zu unternehmen, in Angriff zu nehmen. Ein Sinnverständnis, das eine stark in Misskredit geratene Haltung als selbstbewusste und solidarische Aktivität akzeptabel erscheinen ließe.

Saumsal

Mittwoch, den 3. Februar 2010

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Saum und säumen gehören zu den Rätselworten.

Ein Tag hat seinen Saum morgens und abends im Horizont, meist rötlich, orange oder gelb.

Eine Nacht natürlich auch, aber weniger farbig, weniger sichtbar.

Ein Saum ist ein umgebogener Rand, eine Kante, aber auch eine Naht, also Grenz- und Verbindungselement zugleich. Das macht das Säumen, eine Art untätiges Tun, zu einer so sonderbaren, ja prekären Angelegenheit.

In jeder Saumseligkeit, als einer Verlangsamung des Lebenstempos, treten Achtsamkeit und Bedachtsamkeit zusammen, um es mit den eingefleischten Neigungen zu Trägheit und Nachlässigkeit aufzunehmen.

Vielleicht ist versäumen so viel wie “am (Weg-)Rand (ungenutzt) liegen lassen”.

Für ein nutzenorientiertes und zielgerichtetes Bewusstsein gehört Säumigkeit zu den unguten Zerstreuungen, Schwächungen, Unzweckmäßigkeiten.
“The seamy side of the World Wide Web”, gibt das Longman Dictionary of Contemporary English zu bedenken. In freier Übersetzung: die zerfranste, die liederliche Seite des Internet.

Für andere enthüllt das Säumen einen möglicherweise unerwarteten Fund: der Gang am Rande entlang, auf Grenzen und Graten, eröffnet unerwartete Aussichten und unverstellte Fernblicke.

interstellare Materie

Dienstag, den 2. Februar 2010

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interstellare Materie: überall im Raum verteilt, nicht bloß zwischen Sternen und Sternen.

sie durchsetzt das Universum und jede Wirklichkeit wimmelt davon, auf dem Pluto wie auf dem Mond, auf der Erde ebenso wie im Innern einer galaktischen Gaswolke.

Man findet sie in Lofts und gleichermaßen in Erdgeschossen. Der bauchige Raum einer  Flasche enthält eine Wirklichkeit, die ebenso durchsetzt ist wie ein beliebiger Punkt, ein fingernagelgroßes Stück Raum irgendwo zwischen Sirius und Alpha Centauri.

Und überall gibt es Bewusstsein, zumindest in Spuren, in vielleicht starker Verdünnung.

Es nimmt, das erleben wir ja alle mit, auch in Menschen Wirklichkeit an und diese verdünnten oder sich verdickenden Bewusstseinsströme oder Ladungen gehen wiederum in Räume, Stoffe und Wirklichkeiten über.

Das gleicht einem Kreislauf, ohne jedoch einer zu sein. Denn es gibt nur Ähnlichkeiten, Reihungen, Variationen, aber keine wirklichen Wiederholungen. Wie könnte das auch sein, da in jedem Punkt, in jeder Partikel von Bewusstsein und Materie alle anderen Materien und Bewusstseinladungen mitspielen und sich durchsetzen.

Das meint der Satz: alles ist von allem durchsetzt. Es dringt durch und ist davon durchdrungen.

Hier rührt man dann auch an astrale Ströme, Strahlkörper, Leuchtkräfte.

Sie werden von interstellaren Materien gespeist und jede astrale Quelle nährt ihrerseits stellare und interstellare Stoffe und Körper, die im Kontingenzsaum von Bewusstsein und Wirklichkeit, also dort, wo Kontakte, Kontaminationen und Rührungen besonders intensiv erfolgen, alle Eigenschaften von Lebewesen aufweisen.

Überhaupt könnte man sagen, dass sie es sind, die Lebewesen, die astral und stellar zugleich das Universum bevölkern. Sie sind die eigentlichen Träger von Bewusstsein, Wirklichkeit und Stofflichkeit. Ohne sie wäre nicht einmal nichts.

ungewisse Vorgänge

Montag, den 1. Februar 2010

Gewisse Vorgänge oder Prozeduren, deren Hintergrund und Details wir mehrheitlich nicht kennen, für welche die Technikwissenschaft jedoch bestimmte Bezeichnungen eingeführt hat, zum Beispiel Ionisation und Solarisation, begleiten den weltweit unaufhörlich fortschreitenden Prozess der Polymerisation. Wie Globalisierung ein Vorgang, in dem wir alle voll drinstecken, den wir mit unseren Bewusstseinsmolekülen und Erfahrungsquanten speisen und vorantreiben.

Bewusstsein davon oder Erinnerung daran in nur dürftigen Spuren, Erfahrungsreste, die sich nicht zusammenklauben lassen.

Als hätte sich bereits alles aufgelöst in die Farbenpracht eines polymeren Kosmos,

aufgelöst oder untergegangen in der bunten Springflut medialer und digitaler Gebilde und Geräusche.

Immense und zugleich ungesättigte Ströme und Filme, die insbesondere in den bizarren Katastrophen oder Urlaubsszenen absorbiert erscheinen, von denen unsere Träumen durchsetzt sind.

 

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