Monatsarchiv für Februar 2010

Licht

Donnerstag, den 18. Februar 2010

file0005-kl.jpg3 Helligkeiten bei Nacht:

- Sterne

- Wetterleuchten

- Morgengrauen

Oder ist Morgengrauen nur eine 
andere Art Wetterleuchten?

Gründe

Mittwoch, den 17. Februar 2010

file170210.jpgVordergrund und Hintergrund gibt es vielleicht gar nicht. Sie entspringen einer Sehgewohnheit. Das Auge suggeriert sie immer wieder, in Korrespondenz mit dem Wissen, dass es Räumlichkeit gibt und im Raum vorne und hinten, Nähe und Ferne, alles natürlich in Relation zu einem eingenommenen Ort und Standpunkt.

Das räumlich geübte, zum räumlichen Sehen erzogene Betrachten überträgt die Raumqualitäten auf das nichträumliche, auf das flächige Bild.

Wie die Zeit, so gehört auch der Raum unter die axiomatischen Illusionen.

Ein Bild, ein Foto, das z.B. eine Landschaft wiedergibt, lebt aus der eigentümlichen Kraft des verräumlichenden Sehvermögens. Linearperspektive und Tiefenwirkungen, die durch Farbgebung, durch Hell und Dunkel erzielt werden, sind künstlich eingeführte Sehhilfen. Sie suggerieren in der Fläche den Raum.

Bilder und Geschichten

Dienstag, den 16. Februar 2010

file160210b.jpgIrgendwelche Wirklichkeiten erzählen Geschichten, wie sie kaum zarter und krasser erfunden werden können.

Sie zeigen auch die besseren Bilder, die Film, Video, Fernsehen, Photos und Leinwände auftreten lassen.

Doch diese erstaunlichen Bilder, die faszinierendsten Geschichten,

sie würden ungezeigt, ungesehen, ungeschehen bleiben, gäbe es nicht irgendwelche einbildenden Medien und Künste und würde nicht von irgendwelchen Leuten laufend erzählt, erfunden, aufgeschrieben.file160210a-kl-jpg.jpg

unverhofft kommt

Montag, den 15. Februar 2010

img_3027-kl.jpgoft neuerdings

im Bezugsrahmen aufbrechender Fakten

unverhofft wohin sie dann

und ob das der Bezugsrahmen hält …

hier tappt einer immer

noch immer im Dustern und hält

sich ans Licht

egal wie es blendet …

Verrichtungen im Haus

Sonntag, den 14. Februar 2010

Man hält ein Licht in ein Zimmer.

Eine Funzel, ein Sparlicht, eine Glühbirne.

Man arbeitet mit Taschenlampen in einem Schrank,

eine Truhe, ein Aktenkoffer, ein Rechnergehäuse.

Man schlägt Bücher auf und blättert in Internetseiten.

Dateien werden gescannt, verhandelt, verschoben.

Man knipst im Flur, im Treppenhaus den Lichtschalter an.

Treppauf und treppab bewegen sich Schritte, bewegen sich Schatten.

Jemand schnäuzt in einer Tür eine Nase.

Vor der Tür eine Matte zum Füße abtreten.

Die Stiefel stehen unruhig daneben, doch zu jedem Aufbruch bereit.

Eine Hand zündet ein Kaminfeuer an, eine andere dreht den Kochplattenschalter.

Kleine Lämpchen beleuchten Standby, eine Uhr, die auf

ihre Weckzeiten wartet.

Jemand schneidet auf einem Teller ein Fleischstück.

Hoffentlich ist es schon durch und noch essbar.

“Fleisch und Gras

wie leicht verdirbt das”.

Auch Milch ist nicht immer bekömmlich.

Quark auf den Beinen tut gut.

Ingwertee schmeckt, nur kann kein Mensch davon leben.

Jetzt geht es in den Keller hinab, wo Bierkisten stehen, Gerümpel

und Räder sich um künftige Ereignissen drehen.

Dort bleiben wir hängen und graben uns ein unterm Estrich,

wo noch die Luftmine liegt aus dem

sieben jährigen Krieg.

 

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Anleihe

Samstag, den 13. Februar 2010

img_3025-kl.jpgDie und der haben da und dort Anleihen gemacht,

beim Verfassen von Stücken, von Bildern, von Texten,

ja schon beim Verfassen

ihrer  G e d a n k e n  gemacht.

Alles geliehen,

ohne Anleihe geht nichts.

Achselzuckend stellen wir fest: wir stecken

bis an den Schultern in Schulden.

Man wird uns noch pfänden.

Anleiher wie Sande und Sandstrand am Meer.
Alle leiern Anleihen an
und Arbeit, die allein der Tilgung des Schuldenbergs dient.

Doch gleichzeitig: Arbeit, die unerklärbar Mehrwert und Überschuss bringt –

irgendwelchen, die bis in die Steinzeit und die Jüngsten Tage

verstreut als Gläubiger da stehen.

Dort und hier stehen sie da, meist ohne sicheren Ort oder Status.

Sie teilen und geben, was sie los werden

wollen und ohne

den Impuls zu hindern was

sie manchmal wegfrisst –

sie wachsen ja nach.

Also: statt Anleihen lieber

Anteile und Teilhabe geben und nehmen

statt Schulden und Pfänder zu häufen –

Das hier ist doch – verdammt noch mal –

kein Markt und kein Leihhaus!

anfassen

Freitag, den 12. Februar 2010

img_3022-kl.jpgEine Bildtafel, dem Thema Intertextualität gewidmet:

die Sachen fassen sich an und nehmen dadurch Gestalten an, eine Art Wesen.

Sie lassen sich auch wieder los.

Doch nicht alles lässt sich anfassen und auch nicht alles lässt los.

Manches wehrt sich dagegen.

“Berühren nicht gestattet”.

So bringt das Anfassen Verbindungen und Trennungen, Verknüpfungen und Absätze, Absetzbewegungen hervor. Berühren zieht an und schreckt ab.

Alte Frage: hängt ‘im Grunde’ alles miteinander zusammen oder liegt in Wahrheit alles disparat auseinander?

Die Welt könnte ja ebenso gut durch Trennungen zustande gekommen sein wie durch Verbindungen.

Aussondern und Einschmelzen, Einnehmen und Ausscheiden …

Jedenfalls: die Menschen, die diese Welt mit ihren Ober-, Unter- und Zwischenwelten bewirken und bewohnen, in lockerer Gemeinschaft mit allerhand unliebsamen und nutzbringenden Unter-, Ober- und Nebenmietern – sie verstehen sich auf beides,

mal so, mal so.

no-signals

Donnerstag, den 11. Februar 2010

andauerndem Störfeuer ausgesetzt beim Versuch, zwischen Leuchtfeuern und –streifen Orientierung

zu findenimg_3015-kl.jpg

Reiz und Stachel – ein exegetischer Exkurs

Mittwoch, den 10. Februar 2010

Eine der schwierigsten biblischen Stellen für ein harmonisches Gottesverständnis bringt II. Samuel 24. Das Kapitel berichtet davon, wie David eine Volkszählung durchführen lässt.

Ein Unternehmen, das gegen den Willen Gottes verstößt. Es endet damit, dass ein Teil des Volkes nach der Zählung an der Pest zugrunde geht.

Warum die Sache Gott nicht gefällt oder nicht gefallen hat, bleibt offen.

Im Midrasch (Midr.r. zu Numeri, II. 17) meint Rabbi Eliezer dazu: immer wenn Israel aus gutem Grund gezählt wurde, erlitten sie keine Verluste. Aber wenn sie aus ungutem Grund und zu einem schlechten Zweck gezählt wurden, erlitten sie eine Minderung. Rabbi Eliezer vergleicht dann die gerechtfertigte Zählung, die Moses seinerzeit zur gerechten Aufteilung des Landes unter die Stämme vornahm mit der verkehrten Zählung, die David durchführen ließ. Dem König ging es, das lässt der Bericht jedenfalls durchblicken, um die Aushebung weiterer Mannschaften für den Kriegsdienst.

Aber der springende Punkt ist noch ein anderer: David entschließt sich nicht aus freien Stücken für den Zensus, sondern wird von Gott dazu motiviert: “Der Zorn Gottes entflammte gegen Israel und reizte David gegen sie auf, indem er sagte: Geh und zähle Israel und Juda.”, 2. Samuel 24, 1. Zwar wird hier nicht Gott selbst, sondern sein Zorn als Urheber oder Anstoß ausgewiesen, aber dann ist doch zu fragen, inwiefern Zorn, biblisch immer wieder als eine Eigenschaft oder Qualität Gottes ausgegeben, sich von Gott sozusagen ablösen und gegen ihn verselbständigen kann, ohne dass durch diesen Vorgang die Souveränität Gottes in Frage gestellt wird.

Kein Wunder, dass sich die Kommentatoren mit dieser Stelle schwer tun, und zwar schon sehr früh, nämlich im biblischen Kanon selbst. Denn nahezu derselbe Bericht von Davids Volkszählung findet sich noch einmal in einem anderen biblischen Buch, in I. Chronik 21. Diese Schrift ist späteren Datums und deutet auf Kontroversen hin, die zu der problematischen Stelle bereits eingesetzt hatten.

Dort ist eine Formulierung gewählt, die etwaigen Missverständnissen hinsichtlich eines wünschenswerten Gottesbildes vorbeugen soll: “Der Satan trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen.”  Ein problematischer Versuch, einen prekären Sachverhalt aufzulösen, um so ein harmonistisches Gottesbild zu retten.

“Geh und zähle Israel!” – von wem geht dieses Diktum oder Votum aus?

Zur Entschuldigung Davids sei gesagt: er war im Glauben, die Aufforderung käme von Gott.

Als das Projekt dann auf den Widerstand seines Heerführers Joab und anderer “Experten” trifft, hält David dennoch daran fest, ob aus starrem Eigensinn oder aus der festen Überzeugung, einen göttlichen Befehl umsetzen zu müssen, bleibt offen.

 

Die Anekdote aktualisiert jedenfalls die alte Frage: ist einer höheren Weisung, einer göttlichen Stimme oder Eingebung zu trauen oder nicht? Welche Zeichen oder Symptome sichern die Authentizität einer divine message, einer göttlichen Botschaft? Und auch, wenn die “Urkunde” gleichsam signiert ist, welche Gewähr gibt es dafür, dass die Signatur echt ist und stimmt?

 

Es versteht sich beinah von selbst, dass solche Fragen, um einen unanfechtbaren Glauben zu begründen, schon früh, quasi in den Anfängen abgewehrt oder umgebogen werden mussten. Umso erstaunlicher, ja umso bewundernswerter, dass sie in der Bibel, der okzidentalen Glaubensurkunde schlechthin, nicht nur nicht unterschlagen, sondern offenkundig aufgeworfen wurden. Und der Versuch, sie in einer späteren Version des Berichts, eben in I. Chronik 21, 1 wieder zuzuschütten, macht erst recht aufmerksam und sensibel für den zugrunde liegenden Konflikt: ein beunruhigender Stachel, gleichsam ein stimulus im Sitzfleisch des Glaubens.

 

im Beweggrund

Dienstag, den 9. Februar 2010

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Heftiges Bedürfnis, in einer Sache, in einer Arbeit, in einem Vorhaben, in einem Feld Fuß zu fassen. Dafür tut man alles, dafür lässt man links und rechts, vor und hinter sich liegen.
Denn dort, wo der Fuß fasst, begreift auch der Kopf und
die Hände sind ebenfalls bei der Sache.

Aber so – herumgetrieben in einer Art Zerstreuung, Diaspora. Grundlos, bodenlos, ohne dem Herzen eine warme Bleibe oder sauerstoffreiche Blase anbieten zu können, eine Schutzhülle, eine Heimat den Eingeweiden, den Eingeweihten, die unruhig sind in dir und ruhen wollen. Wie sie rumoren! Ob sie auch in anderen lärmen?

ha! halte dein Ohr an fremde Bäuche, horche, höre, erfahre: auch da drinnen knurrt es und blubbert.

Überall derselbe Tumult.

Gründlich Fuß fassen, das wäre schön. Auf allen verfügbaren Beinen stehen, bei gegründetem Körper. Aber noch ist es nicht so weit, das Gewimmel ist groß, überall regt es sich und ein unerhörtes Rauschen spannt seine Flügel weit aus.