Tagesarchiv für den 6. Januar 2010

KAELTE ff.

Mittwoch, den 6. Januar 2010

Im Griechischen stammen ‘psyché

 = Seele’ und ‘psychrós = Kälte’ aus einer gemeinsamen Wurzel. Die Seele als der hauchartige und kühle Seelenteil gegenüber dem feurigen ‘thymos’.

Warum ist die Psyche ‘kühl’?

Sie ist zum Bewusstsein hin abgekühlt (gezähmt), die Psyche als kultivierter, sozialisierter und domestizierter ‘thymos’.

 

Die Seele als ‘Eisscholle’ im ‘Ozeanischen’.

 

Gefahr des Zersplitterns (Fragmentierung) wie auch der Auflösung (Schmelzen) mit der Herausbildung der ‘psychischen’ Instanz gegeben:

die Kältequalität zeigt sich in einer gewissen Sprödigkeit des Psychischen, Neigung zu Brüchigkeit, allerdings auch infolge zunehmender Ausdifferenzierung, filigran und verästelt.
Reif, gefrorene Wasserpartikel, in denen Wälder, Federkleider und andere Metamorphosen des Psychischen sichtbar werden, alles unbeschreiblich subtil verzweigt und eindringlich, osmotisch durchdringend, dabei in fließenden Übergängen von eisiger Verdichtung zu Verdünnung, Verdunstung. Ein Kreislauf, der an den des Wassers erinnert, zurück in den Luftraum, ins Meer, in die Säfte, die in den lebendigen Substanzen und Lebewesen zirkulieren. 

 

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Gegensatz amorph – kristallin.

Spiegelung als Kältephänomen: Narziß am eistreibenden Styxfluß.

Reflexion und Konzentration (Zusammenziehung).

KAELTE f.

Mittwoch, den 6. Januar 2010

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Im germanischen Weltbild ist Niflheim der eisige Gegenpol zum feurigen Muspellsheim. Aus dem Zusammenwirken dieser beiden Extreme geht der Urriese Ymir hervor (‘Ymir’ = ‘Zwilling, Zwitter’). Er entsteht im Abgrund Ginnungagap. Ymir wird zum Vater der Reifriesen. Ymirs Blut = Meer.

In der jüdischen Mythologie (Midrasch): Gott holt von unter dem Thron, auf dem er sitzt, eine Handvoll Schnee hervor und bildet daraus die Welt.

Norden, Eis und Schnee bei Hiob.

Vision des Hesekiel.

Daraus vielleicht abgeleitet die Vorstellung von einem Kristallhimmel, der sich oberhalb der Fixsternsphäre befindet und rein kristallin, dabei völlig sternenleer ist.

Das Gegenstück zum Kristallhimmel ist die Eishölle, wie sie etwa in der Dichtung Dantes vorkommt. Die Eishölle ist der neunte und unterste Höllenkreis, in dem Satan bis zu den Schultern eingefroren steckt.
Der Kristallhimmel ist der neunte Himmel (sieben Planetenhimmel, Fixsternsphäre, dann Kristallhimmel, dann Feuersphäre oder Empyreum).

Er entspricht, wie Megenberg meint, den ’oberen Wassern’, von denen im biblischen Schöpfungsbericht die Rede ist.

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Der ‘Kristallkörper’ im Auge: ‘Sieben Häute umschliessen die kristallische Feuchtigkeit, in der die Sehkraft liegt’
(Megenberg, Buch der Natur 10,10).

KAELTE

Mittwoch, den 6. Januar 2010

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*Frost, Eis, Schnee, Reif -

Kälte ist in der Regel jahreszeitlich (Winter) oder geographisch gebunden (Arktis, Antarktis, hohe Berglagen, ‘hoher Norden’, Weltraum.

Natürliche Kältephänomene: Gefrieren des Wassers (Gletscher, Eisberge, Polkappen), Erstarrung, Kristallisation.

Wasser dehnt sich aus, die meisten anderen festen Substanzen (Metalle, Quecksilber) ziehen sich zusammen.

Analogie von Eiskristallen und mineralischen Kristallen (Bergkristall).

Kristallisation bedeutet nicht nur den Übergang von flüssig in fest, sondern steht auch für den Umschlag des weichen und beweglichen organischen Lebens in eine harte, mehr oder weniger dauerhafte anorganische Ordnung. Geometrisierung der Natur. Regelmäßigkeit und Vielfalt innerhalb dieser Ordnung.

Eindrucksvollstes Beispiel: der Schneekristall. Jeder Schneekristall wiederholt ein symmetrisches Grundmuster und wandelt es individuell ab. Kein Schneekristall ist wie der andere.

Eisblumen, Rauhreif und ähnliche Phänomene.

Hagel: nach mittelalterlicher Vorstellung (Konrad von Megenberg, ‘Buch der Natur’) Kristalle, deren Kanten im Herabfallen durch die Luft abgeschliffen werden.

Ebenso war man der Ansicht, dass auch die mineralischen Kristalle (Quarz, Bergkristall usw.) aus Wasser ‘gefroren’ wären. Daher der Name ‘Kristall’.*