Monatsarchiv für Dezember 2009

Jahresausklang

Donnerstag, den 31. Dezember 2009

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freundliches Zerstieben aus Gräsern Blättern Bleibseln

Äste aufgelöst

im Raum auf

steigen und löschen den

Rauch im kaum noch bekannten Geschmack

flattern und wirbeln und schwinden schattiert durch schier

undefinierbare Feuer schattiert

Feuer

Feuer verabschiedet besser

gemächlich beinah mit Bedacht und

stiller als Donnerschlag Funkenregen Kracher

von denen ein schales Gehör ausgebrannte Hülsen und

Krater mit Taubheitsgefühlen

zurückbleibt.

fahrende Seelen

Mittwoch, den 30. Dezember 2009

Dass alles Vorgehen in unzugängliche Räume versetzt und entlässt, übt einen starken Druck auf sie aus, der gelegentlich die Qualität eines Reizes annimmt, die Orientierung und das Auskennen lähmt, dabei die sonderbarsten Phantasien beflügelt .

Bei der Geburt geraten sie in eine Welt, wo es überhaupt kein Zurechtfinden gibt.

Wenn es ans Sterben geht, kann niemand und keines folgen von

denen, die zwischenzeitlich Gesellschaft geleistet haben. img_2908-kl.jpg

So bleibt in dieser Welt nichts als ein Berg

von Löffeln*, der bis in die ziehenden Wolken empor reicht.

 *einen dieser Löffel, samt der geheimnisvollen Rezeptur seiner jedesmaligen Verfertigung, hat vor langer Zeit Cusanus beschrieben 

Querung

Dienstag, den 29. Dezember 2009

Auch im Tunnel soll es welche geben, die ihre Bleistifte immer zwischen

den Enden anspitzen.img_2907.jpg

im anderswo

Dienstag, den 29. Dezember 2009

img_2896-kl.jpgTraum Fieber, Tod – metaphysische und mystische Terrains, wo die Welt

auf einmal ganz anders aussieht, nicht wiederzuerkennen, aber doch, als

wäre alles bereits einmal gewesen.

Entrückungszustände, von wo man anders zurückkommt, wahrscheinlich auch

aus dem Sterben.

Tunnel

Dienstag, den 29. Dezember 2009

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In den Frühtoderfahrungen spielt der Tunnel, wie wir alle wissen, eine eminent aufgeladene Rolle. Wahrscheinlich gehört auch das Geborenwerden in den Kreis der Erfahrungen, die mit dem Tunnelsymbol ausgestattet sind. Entsprechend variieren die Berichte:

es kommt von der andern Seite des Gangs oder Schachts ein Wesen entgegen, eine Art Fackel schwingend oder selbstleuchtend. Oft ist auch nur eine winzige, allmählich sich vergrößernde Öffnung sichtbar, weit weg am anderen Ende der lang gestreckten Höhlung.

Die Fortbewegung im Tunnel wird manchmal als mühsam und stockend beschrieben, als

ein Stolpern über Schwellen und nicht weiter definierbare Hindernisse, Äste, Knochen, Körperteile, Gleisreste.

Ein Schweben zum jenseitigen Ausgang wird ebenfalls häufig erwähnt, verbunden mit dem Gefühl zunehmender Erleichterung und einer immer stärker werdenden Heiterkeit, als würde sich die helle Öffnung oder auftuende Helligkeit widerspiegeln in einem tief einwärts gelegenen Seelenorgan.

Dem ursprünglichen Wortsinn nach ist tun und tunnel ein großes Gefäß, eine Art Tonne. Die Öffnungen sind erst später dazu gekommen. Vorübergehend verstand man im Englischen darunter eine Vorrichtung aus Reifen und Draht, um darin Rebhühner zum Beispiel zu fangen. Heute sind Tunnel verkehrstechnische Anlagen, die in der Tiefe Menschen, Fahrzeuge oder Versorgungsleitungen durchführen. In dieser Funktion kommen sie der Symbolik, die sie im Seelischen immer wieder ausprägen, glücklicherweise näher als die drahtgeflochtenen

Fallen der angelsächsischen Jäger und Wildsteller.

Das Tunnelsymbol ließe sich übrigens auch in seiner Containerfunktion festmachen, insofern es als Transportmittel dient, als eine Art Vehikel, das in der Zeitspanne, wo die Beförderung erfolgt, vorne und hinten geschlossen ist, um erst am Ziel, nach erfolgter Landung, geöffnet zu werden. So könnte bei den Passagieren unterwegs leicht der Eindruck entstehen, in eine Art Käfig, also eben doch in eine Falle geraten zu sein. Denn niemand von den Insassen kann absolut sicher sein, dass der Container jemals irgendwo ankommt. Oder dass am Landeort sachkundiges Personal sich einfinden wird, um die Ladeluken von außen auch (wieder) zu öffnen.

Bisher wenig Beachtung gefunden hat die Ähnlichkeit einer Tunnelöffnung mit der Zentralziffer Null, die ja ebenfalls Gefäßcharakter hat. Daher ihr alter Name „theca“.

Der Algebraiker Hispestes, ein Zeitgenosse Abraham Abulafias, beschreibt in einem Traum den Flug durch den Schnittpunkt im kosmischen Achsenkreuz. Auch dies ein Null-Punkt, aber auf paradoxe Weise röhrenförmig ausgezogen zu einer Art Hohlschaft oder channel. Hispestes erklärt, um ein Haar durch die Mündung in die vierte Dimension hinausgeschossen zu sein, wäre er nicht Bruchteile vorher erwacht.

vorsichtige Vorliebe

Montag, den 28. Dezember 2009

am liebsten solche Worte verwenden, die keine
Chance haben, jemals in Mode zu kommen.

das Gabendilemma

Sonntag, den 27. Dezember 2009

Behaltene Gabe ist leichter verderblich als Weggeschenktes.

Trotzdem scheint die eine immer wieder kostbarer als das andre zu sein.

umstülpen

Sonntag, den 27. Dezember 2009

img_2897-kl.jpgaus Meinungen werden Überzeugungen, aus

Behauptungen im Handumdrehen Beweise:

ungefähr wie Wasser aus Wellen,

Brillianten aus Eis oder

aus der Luft

gegriffene Blasen …

die Last in den Buchstaben

Sonntag, den 27. Dezember 2009

„geheime Sorge in den Blättern der Papyrusstaude“ – ein uralter Spruch.

In den mittelalterlichen Skriptorien, in den Schreibanstalten der Mönche hat man davon noch gewusst.

Manche sind, als es schon viel zu spät dafür war, vergeblich auf Pergament, auf Wachs, auf Folien oder auf Stein ausgewichen.

Den Schreibern in den alten Grabkammern Ägyptens war die Nachricht bekannt.

Sie haben sie in der Finsternis weitergereicht. Propheten haben davon Kenntnis gehabt oder erhalten, von der bleiernen Last, die im Geschriebenen steckt.

Sie und andere haben weitergesagt, nicht mit Stift und Federkiel, sondern hinter vorgehaltener Hand. Stillschweigend wurde also weitergereicht, bis es schließlich am Ende der Tintenströme ankam, sich über Bleilettern und Druckerschwärze ausbreitete und auf einmal mit Wucht aus den Tonerkartuschen hervorschießt:

Sorge, bereits in den Blättern der Papierstaude so alt und versteckt wie das Nikotin in der Tabakpflanze, wie das T-Shirt im Baumwollfeld.

nostalgische Neuerungen

Samstag, den 26. Dezember 2009

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Stephen geht 

in Löffelschuhen seitdem

es wieder Schuhlöffel gibt.

Leo arbeitet hochöfentlich

als Schieber mit Mütze.

Ines wiederum watet hochhackig

in Pumps übern Acker der

voll mit Winterkohl steht.

Aller drei Atem zieht voraus zwischen den Köpfen

des bläulich schimmernden Krauts.