Monatsarchiv für November 2009
Brechung
Montag, den 30. November 2009Die Niederschrift der Gesetze durch Moses erfolgt abseits aller Öffentlichkeit, hoch im Gebirge.
Dann kommt er von dort mit den beschriebenen Tafeln zurück, aber nicht, um sie das Volk lesen zu lassen: er zertrümmert sie vor aller Augen. *
So schärft und prägt sich zu allererst das Brechen des Gesetzes ein, nicht dessen Bewahren.
Diese ungeheuerliche mosaische Leistung, Gebärde und Tat bleibt zu Recht tiefer eingeschärft, als ein Gesetzesbuchstabe sich je einschreiben kann.
*) 2. Mos. / Exodus 32, 19 und 5. Mos. /Deuteronomium 9, 17
auf chinesisch
Samstag, den 28. November 2009neue Seite
Samstag, den 28. November 2009eine neue Seite
heute
aus alter Zeit -
nachzulesen unter:
Schwanensaga
mitten im Geschehen
Freitag, den 27. November 2009Kunstsinn, Kunstwurzel und Kunstverstand werden handgemein,
geraten einander in die Haare.
Der Kunstverstand streckt sich und bürstet gegen den Strich.
Den Kunstsinn heben übersinnlichen Kräfte empor: er fliegt.
Bloß die Kunstarbeit bleibt rackernd zurück.
spät im Herbst
Donnerstag, den 26. November 2009die Bäume schütten sich aus,
ihr Herz
es raucht nachts
es rauscht von einem Ende zum anderen.
nach Epimenides
Mittwoch, den 25. November 2009Urknall und Urschrei
Dienstag, den 24. November 2009Seinsbestimmung
Montag, den 23. November 2009Wolken
Sonntag, den 22. November 2009
Merkwürdige Bildrede von den Wolken, auf denen der Menschensohn am Ende der Tage kommen soll. Warum auf Wolken? Warum nicht – zum Beispiel – in einem Lichtstrahl, auf einer Woge, in einem Sturm?
Nein, „siehe, er kommt mit den Wolken“, verkündet die Apokalypse des Johannes, Offenbarung 1, 7.
Bereits in den Visionen des Daniel „kam einer wie eines Menschen Sohn mit den Wolken“, Daniel 7, 13 .
Und warum steht im Psalm, Psalm 68, 34, Gottes Macht sei in den Wolken?
Wolken sind Gebilde ohne feste Substanz, begriffen in einem steten und unbegreiflichen Wandel ihrer Gestalt. Sie entstehen an einem heiteren Himmel gleichsam aus nichts und vergehen, verdunsten ins Unsichtbare.
Als Metapher, als bildhafte Vorstellungen haben sie in der mosaischen und jesuanischen Überlieferung eine ausgeprägte Geschichte. Sie erinnern an den Wind, von dem auch niemand weiß, wo er herkommt und wohin er weht, auch in den Zeiten präziser meteorologischer Voraussagen und exakter Anemometer.
Ist es das Wolkendunkel, ihr Schatten, sind es die hellen, an Schwangerschaften gemahnenden Bäuche der Haufenwolken im Sommer? Oder tragen die Blitze zum Numinosen der Wolken bei, der Wetterstrahl, der unangekündigt aus einer Wolke hervor fährt?
„Wer sind diese, die wie eine Wolke geflogen kommen?“, Sprüche 60, 8
Wolken verhüllen und werden doch zu Schauplätzen, zu Orten und Räumen übernatürlicher Erscheinungen.. Sie bedecken und lassen doch durchscheinen, dass sie verbergen.
„Verstehst du dich auf das Schweben der Wolken?“, wird Hiob gefragt. Nein, natürlich nicht.
Sie bilden heute schon Berge, Türme und Schlösser, atemberaubende Gewölbe und Höhen, die dann, wenn Menschensohn oder Menschentochter kommt, mit unseren Träumen davon schweben, vielleicht auch in Nichts auflösen, das wir gerade einmal aus Andeutung kennen..