Monatsarchiv für August 2009
freundschaftlich rundum
Sonntag, den 30. August 2009Stochastisches Sticheln mittels Würfeln und Strohhalm.
Pst! Keine Regung. Sonst schlagen wir
nach mit Zeigestöcken im Wörterbuch
zu schlagen und blättern wir vor
voluminöses Vokabular, wird durch Fidschi und Haifisch ergänzt.
Dialekte, altaisch, mögen wir und stören uns nicht.
Pronunziationen in langweiligen
Langwellbereichen, Stimmen ganz anders, stimmen ganz anders
von fremden Sternen gesandt,
strahlende Strahlen in Gamma und Phi -
Genosse, mein Lieber, Partizipant dieser Zeit, Pi
bleib wie wir auf der Strecke!
erhabene Bühne
Samstag, den 29. August 2009Déjà vu
Freitag, den 28. August 2009Hausschweine
Donnerstag, den 27. August 2009hier wird ein Schwein gezeigt
weil in Natur sind Schweine
nur zerteilt noch zu sehen Haxe Nackensteak Rippen Kotelett
Eisbein Pfote Schnauze
in Sülze in Dosen
in Wurst in Schmalz und Aspik.
Im Freien sind sie selten geworden und meistens in Mastanstalten zusammengedrängt.
Abseits vom Ort, abgekehrt vom Wind wegen
Gestank Schweinepest Klauenseuche und Grippe neuerdings.
Aber in den langen Hangars hört man sie und ihre tiefe
Menschenähnlichkeit – *
beide sind wir nackt und fett und schwartig
schwabbelnd, klug und widerborstig.
Aber mehr noch sind es ihre und unsere Stimmen
die sich gleichen:
Schweine, in langen Hangars oder Mastfabriken weggesperrt
in Kolonnen und Hundertschaften eingepfercht
schnarren wimmern bellen heulen stöhnen nörgeln
seufzen schnarchen röcheln wie Menschen
wie Greise wie Säuglinge seufzen bellen und wimmern
wie bei Tag und bei Nacht
grunzen und seufzen wir
vielfältig und stimmenreich
wie sie
wie die Schweine.
* Schweine und Menschen gehören ins Haus
Hypochonder
Mittwoch, den 26. August 2009Alchemie
Dienstag, den 25. August 2009niederländer Fernweh
Montag, den 24. August 2009schöne Augen
Sonntag, den 23. August 2009Formica silvestris
Samstag, den 22. August 2009
Die Waldameise scheint, aus der Höhe betrachtet, stets bemüht.
Sie wuchtet Balken und rollt Brocken, größer als die Felsen des Sisyphos. Sie atmet schwer, ohne zu klagen und verbreitet einen Geruch von Essig, wenn sie verwegen und ohnmächtig zugleich sich in der Wade eines menschlichen Eindringlings festbeißt. Wir bewundern ihre Greifwerkzeuge, die stark und fest am Körper sitzen. Dazwischen ein kräftiger Schädel mit einer Physiognomie, die man nicht so leicht vergisst.
Außerhalb der Wälder, in denen sie Straßen zieht wie einst die Römer und stufenlose Türme anhäuft wie einst die Leute von Sumer und Akkad, taucht sie nur ungern und missmutig auf. Sie scheut Vereinzelung und bricht lieber unter Lasten zusammen, als unbeladen und ohne Auftrag durch Reviere zu irren, in denen es keinerlei Geselligkeit gibt.
Woher die einzelne Ameise ihre Weisung erhält, bleibt ein Geheimnis. Den Geist des Ameisenstaates gibt es gewiss, aber auch von den Ameisen selbst hat ihn noch niemand gesehen. Sein Kommen und Gehen gleicht einem Verdichten und einem Verdunsten. Dazwischen liegt das Blühen des Staatswesens und seines Volkes, das dieser Geist gleichsam beseelt und zu jedweder Tätigkeit anleitet.
Aelian, Oberpriester und römischer Schriftsteller um 200 n.Chr., hat bemerkenswerte Berichte über Ameisen gesammelt und festgehalten. Er spricht von ihnen mit großer Achtung:
„Die Geschichtsschreiber preisen die ägyptischen Syringen; auch die kretischen Labyrinthe preisen dieselben und das Geschlecht der Poeten; die mannigfaltigen Straßen und Windungen und Gänge in dem Erdbau der Ameisen kennen sie nicht. Diesen unterirdischen Bau machen sie aus Klugheit äußerst verschlungen, um den Zugang der ihnen nachstellenden Thiere schwierig oder auch ganz unmöglich zu machen. Die Erde, die sie auswühlen, auch diese werfen sie vor der Mündung auf, und machen sie so gleichsam zu einer Mauer und einem Bollwerke, damit das Regenwasser nicht leicht hinabfließe, ihre Werke überschwemme, und alle oder doch die meisten tödte. Sie bauen auch Erdwälle auf, die in der Mitte die Höhlen voneinander absondern, und Dieß mit vieler Kunst. Es sind der Abtheilungen drei, wie in einem vornehmen Hause: die eine richten sie zum Männergemache ein, worin die Männchen und die zu ihnen gehörigen Weibchen wohnen; die andre, wo die trächtigen Ameisen gebären, gleichsam ein Frauengemach; die dritte sondern sie als Schatzkammer und Magazin für den eingespeicherten Samen ab; und weder Ischomachus, noch Sokrates, die Kenner einer beneidenswerthen Oekonomie, lehren sie Dieß. Wenn die Ameisen ausgehen, um zu fouragieren, folgen sie den Größten; und diese führen sie wie Feldherrn an. Wenn sie nun auf das Getreidefeld kommen, stellen sich die jüngern unten an den Halm; die Führer aber steigen hinauf, beißen die sogenannten Spelzen der fruchttragenden Halme ab, und werfen sie dem untenstehenden Volke zu. Diese stellen sich darum her, beißen die Acheln ab, und schälen die das Korn bedeckenden und umschließenden Hülsen; und hierbei brauchen sie weder eine Dreschtenne, noch Männer, die mit dem Wurfeln umzugehen wissen, noch auch Winde, welche die Spreu und die Frucht sondern und scheiden; und doch haben die Ameisen die Nahrung ackernder und säender Menschen. Auch das habe ich als einen Beweis ihrer Klugheit gehört, dass die todten Ameisen von ihren Angehörigen in die Hülsen der Fruchtkörner gehüllt werden, wie von den Menschen die Eltern oder die ganze Freundschaft in die Särge gelegt werden.“ [1]
[1] Claudius Aelianus, Werke, Stuttgart 1842, Zweite Abtheilung: Thiergeschichten, Buch 6, Nr. 43