Monatsarchiv für Januar 2009

Kummer

Samstag, den 31. Januar 2009

img_1275.jpgihn ertränken, zusammen mit Tang und Seerosen,

- Schwäne (aus Blech) samt ihren geräuschvollen
Tränen am besten gleich mit.

Nun liegen sie allesamt einträchtig

auf dem Grund des glasklaren Wassers,

vor sich hin sinnend und träumend.

Nur das Jammern des Kummers spielt dann und

wann über den Wassern und kräuselt die Fläche.

Selbsterkenntnis

Freitag, den 30. Januar 2009

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Ich habe auf der ganzen Welt bisher kein ausgeprägteres Monster und Mirakel gesehn als mich selbst. Zeit und Gewöhnung machen einen mit allem Befremdlichen vertraut; je mehr ich aber mit mir Umgang pflege und mich kennenlerne, desto mehr frappiert mich meine Ungestalt, desto weniger werde ich aus mir klug.

Keine Eigenschaft ergreift je voll und ganz von uns Besitz. Wäre es nicht das Benehmen eines Narren, Selbstgespräche zu führen, würde kein Tag, ja keine Stunde vergehn, da man mich nicht mich selber anknurren hörte: „Du Scheißkerl!“ Und doch sehe ich mich damit nur unvollkommen definiert.

 

aus: Michel de Montaigne, Von der Kunst, das Leben zu lieben, übersetzt, ausgewählt und herausgegeben von Hans Stilett, München: dtv 2007, 18f.

Merkspruch für einen Internetreisenden

Donnerstag, den 29. Januar 2009

img_1274.jpgder du mich
hier aufgefunden hast
denk dran –
vergiss es!

nicht nur Blech

Mittwoch, den 28. Januar 2009

„Völlig außergewöhnlich aber ist jene Geschichte, für die kein Geringerer als Plutarch einsteht. Sie handelt von einer Elster in einem römischen Barbierladen, die wahre Wunder in der Nachahmung all dessen vollbrachte, was ihr zu Gehör kam. Eines Tages geschah es nun, dass ein Trupp Trompeter vor dem Laden hielt und lange zu blasen begann; von dem Augenblick an und noch den ganzen nächsten Tag über saß die Elster nachdenklich, stumm und melancholisch da, worüber sich alle Welt verwunderte, und man meinte, das Trompetengeschmetter müsse sie wohl so verwirrt und betäubt haben, dass ihr mit dem Gehör auch die Stimme verloren gegangen sei. Schließlich stellte sich jedoch heraus, dass es sich in Wirklichkeit um eine tiefe innere Sammlung und Konzentration handelte, weil sie im Geist ihre Stimme schon darauf einübte, den Klang dieser Trompeten zu imitieren; und so wusste sie deren Stöße, Pausen und Variationen mit den ersten Tönen, die sie wieder hören ließ, tatsächlich aufs vollkommenste nachzuahmen, während sie durch das Neugelernte alles, was sie bis dahin zu sprechen verstand, fahren ließ – es war ihr nichts mehr wert.“

 aus: Michel de Montaigne, Von der Kunst, das Leben zu lieben, übersetzt, ausgewählt und herausgegeben von Hans Stilett, München: dtv 2007, 235f.

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in Portalen auf Portale horchen

im Echo der Portale in den Portalen

auf Echos horchen und lauschen

beides fahren lassen

im lauten Geräusch eines

um sich schnellenden Stroms

breit dahin sausender

Daten

Cherub und Zinnsoldat

Mittwoch, den 28. Januar 2009

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Wahrheit steht auf Posten

lässt nichts durchgehen

niemanden

das Auge im Auge

Dienstag, den 27. Januar 2009

„Besser ist Sicht der Augen als Anwandlung der Seele“, übersetzen Rosenzweig/Buber Kohelet / Prediger 6,9.

Aber müsste es jetzt, mit zweieinhalb Jahrtausenden Zusatzerfahrung, nicht eher heißen: „Besser ist Sicht der Seele als Anwandlung der Augen“?

Im Hinblick auf das Universum, auf den Sternenhimmel ganz Auge geworden.

Man hätte auch ganz Ohr werden können.

Warum heißt es eigentlich „trompe l’oeil“ (in der Einzahl) und nicht „trompe les yeux“ (im Plural)?

Es sind doch immer beide Augen, die auf die Täuschung hereinfallen.

 im Gegenüber

sehen

aber konträr zur Wahrnehmung

kontrovers sehen

Dieses Sehnen im Sehen, das dessen Unendlichkeit ausmacht.

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erhellender Zusammenhang

Montag, den 26. Januar 2009

Eine fremde Existenz lehren.
Zum Beispiel König oder Taschendieb.
Eine fremde Sache sein, zum Beispiel ein Reich, eine Binse, ein Sacktuch.
Wirklichkeit geht durch den Magen und geht
 erst durch Bindeglieder auf.
Wahrheit in Wirklichkeit auch.

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Vergänglichkeit

Montag, den 26. Januar 2009

img_5041.jpgEis und Glas –

wie schnell bricht das

rasch wird aus Eis Wasser

schnell ist einer ertrunken

aber es dauert

bis ein Mensch trocken
und Staub wird

sorgsam gestapelt

Sonntag, den 25. Januar 2009

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gehäuft mit Sandsäcken nach Schellfischen und

Schlafmohn werfen

 - Überschwemmung vom Meer her –

anschließend nach Klatschmohn und Schlafsack -

die liegen ja ebenfalls irgendwo 

in der Umgebung herum

 

Bruchlandung

Sonntag, den 25. Januar 2009

jetzt aber die Luft anhalten!

Mensch, sprich zur Luft:

bleib ruhig am Ball

bleib still  im Ball und

img_5045.jpgdeeeeeehn dich!