Monatsarchiv für September 2008

wächst da was?

Montag, den 22. September 2008

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wächst da was?

ja, hier sieht man es wachsen

es wächst beim bloßen Zusehen

dort drüben aber nicht

da bleibt es im Anschauen stehen

wie gestellt in der Pose

die man von Fotos her kennt

Dilemma des Fotografen

Sonntag, den 21. September 2008

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sein Dilemma: überall wiederzutreffen
was er hin und wider
verfehlte -

so aber trifft es sich
gut mitten im Garten
ins Schwarze

MOMENT Heute

Sonntag, den 21. September 2008

img_0648.jpgheute ohne Grund
ja heute ohne jeden Grund
im Atelier

anschließend mit Freund Dimoimg_0649.jpg

es kocht

Samstag, den 20. September 2008

Not lehrt beten, sagt ein alter Spruch, und heißer Boden lehrt tanzen. Der heiße Boden eines Topfes, der auf der Herdplatte oder über der Gasflamme steht, bringt es dem Wasser bei, das es auch nicht gelernt hat, in Perlen und  Blasen aufzusteigen. Unendlich klein, nicht größer als der kleine Stich, den eine Nadelspitze auf einer polierten Granitplatte hinterlässt, sind sie am Anfang, wenn sie aus dem Wasser auf dem Topfboden Platz nehmen. Dann wachsen sie mit einer für ihre Kleinheit ungeheueren Geschwindigkeit. Sie blähen sich auf, als sammelten sie Atem, um dann kraftvoll und mit einem Ruck abzuspringen. Und im gleichen Satz sind sie schon über die Oberfläche hinaus, um zu verdunsten, um im Weltraum als Dampf zu verschwinden.

Gartenmusik

Freitag, den 19. September 2008

In unseren Tagen, mit der Steigerung der elektronischen Regionen und Sinne, ist Gartenmusik geschrumpft. Die letzte wirklich große Symphonie wurde im Garten Epikurs aufgeführt. Seitdem fallen Früchte auf die Erde und kein Mensch kommt herein, sie aufzuheben. Der Gehörsinn ist sicherlich noch da, aber er bedient andere Ohren und Hörer, vielleicht auch ganz andere Hirne, für die Gartenmusik nur Geräusch nebenbei ist, ein verschwebender Laut unter vielen.

Mehrzweckpavillon

Donnerstag, den 18. September 2008

img_0586.jpghier hört man Gartenmusik und
wartet bei Nebel und Regen den Bus
oder die Straßenbahn ab

Gartenmusik

Mittwoch, den 17. September 2008

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Illustrationen zu einer nächtlichen
Gartenmusikveranstaltung (Einlagen)

Halt!

Dienstag, den 16. September 2008

Halt an Worten finden, die einfach vorbeisausen.

MEGGIDO schreibt sich ein und ist schon vorbei.

Geschriebenes ist gerade mal Bremsspur.

Denn hier, wo einer leerhändig sitzt in die Luft guckt und fasst,

eine haarscharfe Haarnadelkurve weil

tief

im Hochgebirge sind wir -

hier kommen nur fliegende, hochfliegende Botschaften an:

Zugvögel, Strahlen und ihre Fragmente, Teile von Schmetterlingsschwärmen, die der Sog aus dem Tunnel emporreißt.

Sonst nichts sonst – beinahe
nichts außer
Schnee ewig und gestern.

Tage vergehen und Nächte, wo gar

nichts passiert.

Hier ist es weit über Null und Normal

zu erwartende Klimawechsel:

der Meeresspiegel steigt an, hört nicht auf, bis er ankommt, wo jetzt noch Gletschereis liegt und Noah am Rande auf Knien das Raumschiff zu hämmern fortfährt, während die schwarzen steigenden Wasser bereits seine Fersen und Zehen belecken.

zur Schildkröte

Montag, den 15. September 2008

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Zu den Langsamen unter den Lebewesen im Großen und Kleinen gehört auch die Schildkröte. Ohne ihren Panzer würde sie zermalmt von der Last der Jahre, die ihr Geschlecht seit seinen Anfängen trägt. So aber sind die Weltalter in den hornigen Kammern dieses Panzers auf kleinstem Raume verwahrt. Sie halten die Balance zwischen einem sehr zarten fleischigen Körper, den die Suppen so heiß begehren, und zwischen der Bläue, die wie eine chinesische Ampel aus dem Zenit strahlt.

                                                      aus: Comp.009, ca. ‘88

Nachtschnecke

Sonntag, den 14. September 2008

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Auf einem Waldweg

 

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eine finster
lagernde Schnecke,

zieht sich lange und langsam dahin,

ohne Rock und Gehäuse,

nackt und daher namentlich Nachtschnecke.

Ihr Naturell: Schleim und eine gewisse Trägheit kennzeichnen sie.

Schnecke, die man lange betrachtet, erobert Langsamkeit für sich zurück.

Streckt Fühler und tastet auf rauem Weg voran,
verliert seitliches Grün nie aus dem teleskopischen Auge.

Ein Mensch, ebenfalls auf  rauer Straße daher, beugt sich verwundert:

„Wie kann man“, fragt er, „so schwarz ohne Tusche und Pech sein,

ohne Schminkdose und Schwärze mit sich zu führen?“

 

vor über 20 Jahren geschrieben – so lange dauert ein Schneckentext, bis er ankommt:

Versuch, in der schillernden Schleimspur der langsamsten Wesen zu lesen. Das ungeheuere, jedoch gleichsam gedrosselte Tempo der Schnecke ermessen. Es steckt in der Spirale ihres Gehäuses. Deswegen leistet sie sich, einmal vor die Schwelle ihres Hauses getreten, die denkbar gemächlichste und leiseste Gangart. Auf dem Rücken trägt sie ihr Haus wie einen gewundenen Krug, den innen der Dampf der Spiralnebel füllt.

Die Nacktschnecke hingegen geht ohne Gehäuse. Sie hat es nie gehabt. Daher sucht sie auch nicht danach, wenn sie den frisch beregneten Asphalt abgrast. Sie wandert gesellig bei Nacht. Das  ist ihr Haus, das sie auf langen Rücken mit sich schleppt. Häufig zu Dutzenden, zu Hunderten gehen sie oder noch mehr, und stets in Rufweite. Wie Saugnäpfe hängen sie einzeln übers Teerpflaster der Erde verteilt und ziehen leuchtende Gaswolken hinter sich her oder die unbeweglich scheinenden Galaxien am nächtlichen Himmel.

                                             aus der Datei “Comp.009″, um ‘88