Monatsarchiv für September 2008

3 Binsen

Dienstag, den 30. September 2008

Bedeutungswandel

Sinneswandel: aus Geräuschen werden Stimmen, wird ein Stimmenhören, während Stimmen wiederum ins Reich der Geräusche zurückkehren. Das geflüsterte Wort wird zu einem Wispern, ähnlich dem, das trippelnde Ameisen in ihrem Haufen erzeugen.

 

Der Scherzkeks

Ich bin konserviert, sagt der Scherzkeks, mein Haltbarkeitsdatum liegt weit in die Zukunft hinein.
Nun würde ich gerne wissen, die Konservativen, die weiter in die Vergangenheit reichen, ob es mich mit ihnen verbindet oder von ihnen entfernt;

sie, Sie wiederum werden sagen: probier es doch einmal,

lass dich bei hundert Grad aufbacken!

 

Menschenhandel

Erst machen sie einen dumm, um einen dann umso leichter als dumm

verkaufen zu können,

nicht irgendwo, nein, gleich auf dem Weltmarkt nebenan.

Das ist das große Geschäft: es besteht

in der Erzeugung und Anstiftung

menschlicher Dummheit und im Spekulieren damit.

der Auftraggeber fragt

Dienstag, den 30. September 2008

img_0680.jpgsoll dieses Portrait schmeicheln?

oder ist doch was Wahres dran

an mir?

selbstbedacht

Montag, den 29. September 2008

img_0679.jpgmit einem tönernen Kopf auf den Schultern –

was mag wohl in einem Tontopf vorgehen?

Selbstportrait von fremder Hand

Sonntag, den 28. September 2008

img_0678.jpg                                      

 

                                                                          was ist zu sehen?

sehe Acryl, wassergelöste Farben auf Leinwand.

es zeigen sich Gesichter, Physiognomien in abwärts laufender Reihe.

drei oder vier Kringel mit Augenpunkten darin.

ein liegender Halbbogen für Mund.

weiter unten, in der Wagrechten noch eine Physiognomie: Smily, smileface.

Ich sehe das was du nicht siehst:
einen schwarzen Kletterer in türkisfarbener Steilwand;
über ihm ein blaues Labyrinth, in dem eine Kette violetter Punkte entlangläuft,
alle an der Außenwand auf Labyrinthpfad,
immer an der Irrgartenmauer entlang.
ob sie, in diesem Gänsemarsch, zurechtfinden werden?

Im mittleren Vordergrund ein aufgeschlagenes Buch.

das gehört, denkt der Leser dort,

keine Lesefläche, kein Pult, aber eine Stufe dafür,

unter der es verwahrt ist, ein nach unten offener Kasten,

ein ungewöhnlicher Winkel,

ein angemessener Ort.

Über der Stufe stemmen drei Striche

in rosa Beleuchtung gegen den Wind.

drei Leute, die in die Buchseiten sehen und lesen.


Auf der Leinwand Felder, Kammern, Regionen.

ein violetter Halbmond mit ebenfalls violetter Sonne im Maul

wahrscheinlich ein Zeichen, ein C, versehen mit ° , violettrot gefüllt und geschnitten aus Samt.

Vor der rechten oberen Bilddecke schwebt eine Palette.

auf ihr in Mulden Farbhügel, vielleicht fünf oder sechs unterschieden.

links davon hängt herab, was wie Saiten- oder Zupfinstrument aussieht.

dort, wo sonst die Öffnung für den Resonanzboden ist,

steckt ein Kopf und streckt an langem Halse hervor:

eine Miniatur;

kleines Selbstbild von fremder Hand beschaut den Betrachter,

der als Dargestellter sein Datengeheimnis

sein Copyright argwöhnisch

gewahrt wissen will.


Es gibt dann noch einen Goldstrom, der aus der unteren Bildkante hochschwappt.

in der Strömung eine weitere Mondsichel liegend,

dieses Mal blau mit goldener Sonne im Maul.

zur rechten Bildkante hin eine Rundung, von einem Regenbogen begrenzt,

mit einer Spiegelscherbe darin,

gebettet ins Blau das Yves Klein so gerne gemocht hat.

Auf der Rückseite des Bildes, auf der unteren Leiste des Rahmens,

hat jemand frech in Faserschrift oder Tusche den Vornamen des Künstlers signiert,

dessen Portrait hier von fremder Hand vorliegt.

Imagination

Samstag, den 27. September 2008

Imagination fasst Erlebtes an einem dünnen und durchscheinenden Zipfel. Das Erlebte will entrinnen, aber der Zipfel hält. Dies wird dann zum Wunsch. Jeder Wunsch hält ein wenig von dem, was er verspricht. Deswegen hört das Wünschen und das Imaginieren nicht auf.

in Gartenfragen unterwegs

Freitag, den 26. September 2008

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Brücke                    &                   Sperre

im Adonisgarten

Donnerstag, den 25. September 2008

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Liebesspiel

Sandwich

Mittwoch, den 24. September 2008

Heute, in diesen Tagen des Oktoberfestes, gehen Dirndkleider durch den Sinn, Trachtenjacken aus Elchleder mit Knöpfen aus Hirschhorn. Stramm sitzende Hosenträger.  Adlerfeder wippt auf grünem Hut und ist fröhlich dabei.

Wir schauen hoch aus dem Norden in den tiefen Süden und wundern uns über Witterung, Maßbier und Leute.

Am Schreibtisch, im Atelier falten wir alles, zusammengeklappt wie bestrichene Schnitten, wie Toast. Dazwischen Gurkenscheiben geschoben, Salatblätter, ringelnder Heringe und Kresse, oder Putenkeulenscheiben mit Rosmarin,  Zwiebeln und Lauch.

Firn bedeckt unterdessen die Kanten und durch alles leuchtet ein strahlender Himmel: tief, ozeanisch und blau.

Kennst du Sandwich?

Das sind Inseln weit draußen im Meer, wo Pineapple und Ananas wächst, mit Käsefladen darüber gebacken: Hawaitoast.

Eine Vision.

Wirklichkeit schaut augenlos zu, manchmal blind.

Sie blickt mit Puppenaugen, ihre Sicht geht

durch helle und trübe Glaskörper –

ach, diese Augapfelwelt!

 

Nun: bei gewissenhafter Durchführung der Sandwichmethode ergeben sich schmackhafte Dinge, können Schrecken passieren: Augäpfel werden zerschnitten, wie Rübenknollen oder Radieschen.

Ein leeres Glas fällt um und läuft aus.

Eine Chrysantheme lässt den Blütenkopf hängen.

Ein Rechner gibt seinen Geist auf.

Ein Käfer läuft um einen Trinkbecher und erreicht niemals das Ende.

Mücken hocken aufrecht am Rande eines Beckens und überlegen, sollen sie springen, stechen oder lieber auf und davon?

In der Ferne häkelt eine schwarzgrüne Spinne. Sie spannt ihr Seil quer über den nächtlichen Himmel und blinkt. Jeden Tag unternimmt sie den langen Gang von den Hopi zu den Maori in Ozeanien und wieder zurück, und das, obwohl die an ihren Stätten schon längst nicht mehr da sind.

Die Ferne macht es, sie winkt, dass sie leben.

Raum bildet ihre Substanz.

Sie kommen ganz ohne Zeit aus.

Sie kennen die nur als Prise, wie von einem Salzstreuer durch helle Löcher im Firmament ausgeteilt.

 

Man hört auch von Fotografen, in der Sandwichmethode routiniert und erfahren.

Von Gämsenjägern auf schwindelndem Kriegspfad.

Sie klettern und kommen an oben, die Gämsenjäger, die Fotografen, mit schwarz zugebundenem Auge Piraten, gemeinsam.

In solch einer Höhe über dem Meer hätte man sie schwerlich zusammen erwartet.

im Kraut

Dienstag, den 23. September 2008

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unterwegs in Kräuterbeet und Hinterhof,
im Küchengarten -
es geht voran.

spanischer Garten

Montag, den 22. September 2008

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in deutscher Kleingartenkolonie eine spanische Flagge gehisst
und ein Schild Winterapfel
                                                               “frisch gespritzt”
die Kolonie heißt “Alte Treue”
aber was sagt das?
spritzen hier alle oder spritzt hier sonst keiner?