Monatsarchiv für April 2008

alles aufzeichnen

Mittwoch, den 30. April 2008

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Mit der linken Hand hinter den Ohren kratzen, hinter beiden, dann mit der rechten das Notizbuch aus der Tasche ziehen, aufschlagen, den Daumen dazwischenklemmen, in der Tasche nach dem Kugelschreiber fischen. Ihn emporziehen bis in die Nähe der aufgeschlagenen Seiten. Fingern, um die Kuliminen zu drücken. Dann die eine Hand zwischen Ohr und Achsel klemmen. Hören und aufschreiben, ohne selber zu reden.

Mit der rechten Hand holt N.N. Papier und Schreiber aus der Hosentasche. Ein paar abgefahrene Straßenbillets kommen mit und fallen heraus. Sie liegen auf der Straße wie Blätter und der Fahrtwind der vorbeirudernden Gondeln schaukelt sie.

Die Hand hat Mühe zu schreiben. Zebraherden gehen durch, Passanten und Pferde am helllichten Tag. Zum Schluss quetschen sich ausgewachsene Regenwürmer vorbei, groß, grün und mühsam wie Straßenbahnen.

N.N. schreibt sorgfältig auf, alles der Reihe nach, wie es vorbei kommt.

Alles mit rechten Dingen.
Dann die linke Hand zur Trompete geformt, mit der Rechten die Nase zuhaltend.

Schwere Atemnot. Ein Fall von Ohnmacht.

Als N.N. wieder erwacht, bückt er sich sogleich nach dem herabgefallenen Notizbuch mit den karierten Seiten. Er hebt es auf, trägt ein. Die Buchstaben stolpern übers Papier wie über Maschendraht..

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matter

Dienstag, den 29. April 2008

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as a matter of fiction & fact
matter – no matter what –
emerges from a matrix of space and time between
shining forms emerge from morphemes and morphes
on earth within this planetary system they rise
out of  sun and sound
central fire inside.

channel walk

Montag, den 28. April 2008

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behind stained glasses

Montag, den 28. April 2008

behind stained glasses a mirror
green and shining mind
an open window within
a mirrors room
splendid hours running all through and waterful days walking along with heavy steps in the mud
Oh mud, oh mother,oh dusty rain falling! 

Look at the golden specks in this mirror
They wander like blooddrops, like little ships in the drift of an ocean
And clouds above rise
and fly off.

spätmittelalterlicher Spruch

Montag, den 28. April 2008

Dem Engel entkommen
den Schätzen entronnen
in Trance versponnen
Valet Schrecken und Tod. 

Analyse dieses Denkspruchs:
er spielt auf spätmittelalterliche Leidenschaften an und auf Vorstellungen, die daraus entstanden oder zurechtgezimmert worden sind. Blockhütten, gotische Dome, das ist alles gezimmert aus Steinen und Holz und Gedanken.

Der entkommene Engel meint vielleicht den Tod oder die Todesangst,
die bei solchen Erscheinungen eintritt.

Oder gemeint ist  Schrecken, der von überall ausgehen kann.

Schrecken bildet den Übergang zur Trance, die einem Tod immer wieder sehr nahe kommt.

Trance ist Vortod oder Durchgang zwischen Todesvorhöfen.

Auch die sind überall.

Schätze bilden einen noch größeren, gleichsam geronnenen Schrecken.

Gold, Tresore, das sind alles schreckliche Bunker, seinerzeit eingegraben
und nur durch Schächte und Gebirge zu erreichen.
Immer unter Lebensgefahr wegen der schlaflos wachenden Drachen.

Schrecken und Tod fassen alles in einem blendend weißen Leichentuch zusammen.

Zum Abschied winkt der mittelalterliche Verfasser den beiden noch einmal zu,
Schrecken und Tod, die zwischen sich eine Art Transparent in die Höhe halten.

Er entfernt sich, schräg vornüber gelehnt,
als müsste er gegen einen Orkan angehen,
oder wie von einer immensen Beschleunigung gepackt,
oder hingerissen von dem jähen Drang, in die entlegenste
Ferne vorzustoßen.

conscience speaks / Gewissen spricht

Sonntag, den 27. April 2008

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es sagt:

Ich will nicht mehr oberster Aufpasser sein –

ich passe.

it declares:
I don’t want to be watch
spy anymore -
I pass over
I skip It.

zwischen angefangen und fertig

Sonntag, den 27. April 2008

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Ein Mensch erleidet das Schicksal der eigenen Bilder,

irgendwo zwischen angefangen und fertig.

Fragt sich: gerade erst angefangen oder lange schon fertig?

Das fragen sich auch die Bilder, egal, ob fertig oder gar

nicht erst angefangen.

Kunstarbeit

Samstag, den 26. April 2008

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Ganz erfahrungsnah arbeiten, ebenso beständig / inständig aufs Erkunden bezogen.

Häufig umsonst. Aber immer bei der Sache,

egal, ob sie auffliegt oder versickert.

Oder auf Erkenntnis bezogen: Schönheit, Anmut, Schrecken, Todesnähe.

Das sind manchmal Gedanken, manchmal Bilder.

Dazwischen ist viel Bewegung und macht den Durchstieg zu einem waghalsigen Unternehmen. Aber einmal zur Gratwanderung entschlossen ist es nicht mehr weit bis zur Stelle, wo die Seiltänzer überm Abgrund wippen.

Nicht mehr weit, aber wert.

in einem anderen Arkanum

Freitag, den 25. April 2008

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In einem Geheimnis gefangen, mit den Füßen im Leeren, mal im Vollen zappelnd.

Im Geheimen wie in einem Gefängnis gehalten, blockiert, zu Unbeweglichkeit verurteilt.

Ein unsinniges Urteil, das steht fest.

Aber wer kommt mit Worten dagegen an?

Hier ist alles Geheimhaltung, dem Dienst endloser Verschlüsselung und Vergrabung unterworfen.

Wer kommt los, aus solchen Bollwerken, Festungen, Brustpanzern?

Leimklemmen sitzen auf den Luftröhren, die Atemwege versperrt. 

Enge und Finsternis zwischen Kehlkopf und Herzklappe.

So wird das Leben zu einer nächtlichen Angelegenheit,
ein Abenteuer ohne Entkommen.

Ein Sitzen in platonischen Höhlen, in riesigen Drusen, bis zur Ohnmacht versunken in Betrachtung lebendiger Schatten. Hier entspringen sie. Gegenüber flackern sie auf, huschen ins Sichtbare und sind schon wieder davon. Sie leben, wie die Betrachter, einzeln oder im Rudel vom Sehen, davon, dass man sie anschaut.

copy writes

Donnerstag, den 24. April 2008

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Copies weaken and copies strengthen the original.
It lives by that – and we too
live fairly well. 

Kopien schwächen und Kopien stärken das Original.

Davon lebt es – und auch wir leben nicht schlecht davon.

 aus: „Im Unterstrom“