Monatsarchiv für November 2007

Eventualitäten

Freitag, den 30. November 2007

Das sind wohl Ereignisse, auf die man vorbereitet sein sollte.

Vielleicht treten sie gar nicht ein.

Trotzdem scheint es gut, darauf vorbereitet zu sein.

Was nicht sein kann und darf, könnte ja sein, trotzdem.

Dies ist der Modus, der Eventualitäten kennzeichnet.

Es scheint einen triftigen Unterschied zu geben zwischen Eventualitäten und bloß potentiellen Vorkommnissen?Worin besteht die Differenz?

Es sieht so aus, als könnte man eventuell nach Hause kommen und beim Eintreten in die Küche den Gasherd in voller Aktion sehen. Das wäre eine schlimme Eventualität, eine mit möglichen Folgen: verglühte Töpfe, alles muss wegen des Qualms, der sich überall als giftiger Russ abgesetzt hat, renoviert oder weggeworfen werden.

Oder: ein beim Anknipsen des Lichtschalters entstehender Funke zündet das ausgeströmte Gas und bringt alles zum Explodieren.

Das wären arge Eventualitäten.

Aber potentiell sind die nicht.

Wo Event ist, passiert was eher zufällig, unfällig.

Wo Potenz ist, wird das Schlimmste energisch und durch schicksalhaften Eingriff verhindert:

dafür steht der ordnungsgemäß ausgeschaltete Gasherd, ein freundlich angehendes Licht, ein Aufgebot an vorsorgenden und fürsorglichen Geistern, die sich gedankenförmig und tatkräftig unentwegt einsetzen.
Alles entsteigt – allerdings und merkwürdigerweise – demselben Sack, demselben Fass oder Schacht, dem auch die Eventualitäten entkommen. Nur dass die eben nicht geruhsam entsteigen, sondern panisch entkommen, irgendwie lädiert und fluchtartig.

Das mag der Grund sein, warum man auf Eventualitäten gefasst sein sollte, da man nie weiß.

Eine Vorsichtsmaßnahme, die bei Potentialitäten geradezu contraindiziert scheint: da ist man vorgesehen, da wird man gewusst.

Variationen über ein gemeinsames Thema

Donnerstag, den 29. November 2007

Zum Ertrinken ist es noch immer zu früh.

Unmaßgebliche Meinung in Zeiten der Stürme und Überflutungen.

Reiner Eigensinn, daran festzuhalten, sich an diesen Strohhalm zu klammern, dass es schlicht und einfach zu früh sei.

Dem Tod des Ertrinkens ist man mit 101 Jahren nicht näher als jetzt.

Zum Ertrinken ist es fast immer zu früh.
Außerdem ist die Luft da, das ist ein Atem, in dem man ohne Unterlass ertrinkt.

Es gibt gute Gründe, in Panik zu geraten.
Es gab sie zu Zeiten Noahs und gibt sie noch heute.
Damals wie heute Welträume, von Schneegestöber und weißem Rauschen erfüllt.

Migrationen, Völkerwanderungen …

Scharen von Menschen rennen in Kapuzen und anderen seltsamen Verhüllungen davon und umher. Flocken und Frost heften sich auf ihre und unsere Mützen. Ängstliche Rufe werden laut beim Überqueren großer Ströme, die nur dünn überfroren sind. Manche stolpern,

manche werden auf  Schultern gehoben, andere bleiben liegen, verschwinden.

Die Leute holen sich abgefrorene Zehen. Da und dort fallen in der Kälte Ohren ab.
Klarer Beweis: zum Ertrinken ist und bleibt es zu früh.

Mathieu

Mittwoch, den 28. November 2007

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Nach über vierzig Jahren dem Aktionsmaler Mathieu wieder begegnet.

Vielleicht kennen Sie Mathieu. Sie kennen ihn nicht?

Mit Vornamen – wie heißt er noch?

Ein Franzose.

Große Schriftzeichen, die er in der Montur eines Schweißers oder eines Feuerwehrmanns auf große Leinwände anbringt.

Er arbeitet immer in Montur, Helm und Schutzanzug. Plastik und Leder.

Vielleicht erfordern hohe Geschwindigkeit und leerer Raum, in denen er sich bewegt, durch die er agiert, solche Vorkehrungen:

Asbestweste und Plexiglashelm erinnern an Astronauten.

Beim Eintritt in unbekannte Atmosphären gewappnet sein, Hitzeschild usw. um nicht zu verglühen.

Mathieu rast dahin zwischen Überschall und Meditation.

Immense Reibungen, ungeheuere Erhitzungen.

Für einen Künstler, für ein sensibles Naturell wie er, du und ich, sind da spezielle Schutzvorkehrungen und Bewahrungsmaßnahmen nötig.


Übers Sterben*

Mittwoch, den 28. November 2007

Natürlich will ich dann und wann sterben, des Films wegen, den man da sieht.

Aber ich sterbe nicht, weil ich mich für keine Todesart entscheiden kann.

Die Ertrunkenen wollen mich überreden und spielen sie mir vor, die konzisen Porträts ihrer Schicksale. Die Erstickten schwören auf das Ersticken. Die Geköpften meinen, dass das eigentliche Sein sich eigentlich nur ohne Kopf erfahren ließe. Gegenwärtig bin ich noch dabei, ein Floß zu zimmern, eins mit einem absoluten Uhrwerk, einem kosmischen Kompass darin, das ich in den Strom der Ewigkeit schieben und dann in der Kombüse meine Tage mit Tempelentwürfen und den Projektionen gewisser schwimmender Inseln zubringen werde.

  

*Ausschnitt und  Reprise aus dem 7. April 1973, koproduktiv: Heike, Jan, Regina, Diet

Funktionen

Dienstag, den 27. November 2007

WACHEN …..

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FEUERN …..

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Klage eines engstlichen Wesens

Dienstag, den 27. November 2007

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Er hat es nie zugeben wollen, dass er es ist.

Hat seine Engstlichkeit gemieden wie Weihwasser beim Trinken, wie die arme Seele den ruhlosen Teufel, der sich in zerzausten Gebüschen herumtreibt.

Weit ist die Welt, heißt es. Na also.

Weil Welt und Weite ihm lieb sind, sein Wunsch, deswegen.

Dadurch ist alles gekommen.

Vielleicht neigt er seit Geburt, seit schwer erinnerbaren embryonalen Zuständen zu Einschließungsängsten,  zu Klaustrophobien.

Enge macht Angst, Enge ängstet.

Das ist nie wirklich verschwunden.

Wie der Nabel zurückbleibt von den Nabelschnüren, so sind die Engste geblieben von der Enge, die im Uterus herrscht.
Verengungen, Verengstigungen – das ganze Leben lang weggelaufen davon.

Hat es genützt? Sie haben weiter verfolgt.

Ein bisschen mehr Ungestüm, und der Enge wäre vielleicht zu entrinnen gewesen. Es wäre darin zumindest weniger drückend, es wäre geräumiger, befreiter, passabler geworden.

Aber so, durch all die Betäubungen und Bedrückungen, durch die engen Kanäle und Tunnel, infolge auch externer Bedrängnis, durch schlechte Luft und verdorbenes Wasser ist alles eher noch schlimmer geworden – oder eben beim Alten geblieben.

Es hat sich bis heute wenig geändert an den Engführungen, die das System aus verknoteten Röhren und Höhlengängen zwangsläufig vorschreibt. Schächte, in denen man sich kaum aufrichten kann. Verläufe, die nur ein gebücktes Vorankommen zulassen. Nirgends wirkliche Mündungen, nur aufgemalte Türen, Pforten, Fenster, alles hinter Monitorglas, optische Täuschungen, mentale Phantome.

Enge bleibt Enge – es ist unmöglich, sich daran zu gewöhnen. Nirgends bricht sie ab, setzt sich von Schritt zu Schritt fort, bleibt niemals zurück.

Eingezwungenes Leben macht zwanghaft.

Unverschuldet beklommen.

Es lässt einfach nicht los.

Obstbauernregel

Montag, den 26. November 2007

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an apple a day
keeps the doctor away.

n Appl oder ne Bärne
hält n Doktor färne.

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Diverse Geselligkeit

Sonntag, den 25. November 2007

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Entspringt irgendeiner Neigung, eingestifteter Zuneigung.

Entspränge sie nicht, gäbe es überall nur Muffel und trockene Eigenbrotkanten.

Entspringt und entspricht einem solitären Traum, dem paradoxen Wunsch, in einer Art Einsiedelei Gesellschaft zu leisten.

Ansichten

Sonntag, den 25. November 2007

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A: Wenn ich mich umschaue: vielen Freunden und Bekannten geht es schlecht.
Nicht nur den Personen, auch den Sachen.

Geht es ihnen schlecht, weil sie mich kennen, oder kennen sie mich, weil es schlecht geht?

B: Schau dich gut um, guter Freund, du wirst sehen, es geht schlagartig besser!

Gedanken lesen

Samstag, den 24. November 2007

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A: Kannst du Gedanken lesen?

B.: Ja, keine Probleme.

A.: Die eigenen auch?

B: Im Prinzip ja, nur die laufen beim Lesen davon. Sie halten nicht still, sind im Nu weg; oder kommen so nah, dass sie nicht mehr zu fassen sind: zum Greifen nah, aber unfasslich, unleserlich.

A: Guter Rat: nicht greifen, nicht fassen – scannen!