Monatsarchiv für September 2007

Tagebucharbeit

Sonntag, den 30. September 2007

Es interessiert, was das sein könnte: Tagebucharbeit.

Ob es das überhaupt gibt, als –arbeit.

Oder ob besser gefragt werden sollte nach Tagearbeit, nach Verarbeitung von Tagen.

Denn Buch – heute, was ist das eigentlich noch, im Übergang zu ganz anderen Lesarten, zu völlig  buchunabhängigen Lektüren?

Um den Begriff der Tagearbeit aufzunehmen: in dem hier gemeinten Sinne erfolgt sie meistens unter Tage, in vorgefunden, häufig allerdings verschütteten Stollen oder frisch gegrabenen Gängen.

Große Einsturzgefahren drohen hier. Decken und Wände sind nur provisorisch abgestützt.

Da ist weder auf fremde und sachkundige, noch auf eigene und vielleicht fachkundige Tagearbeit Verlass.

Eine Region, wo man leicht um kommt, unter Tage, unter Druck und so weiter.

Tagebucharbeit ist ansatzweise Lebensbucharbeit, das lernt sich rasch und bleibt trotzdem flüchtig, vielleicht weil es ein religiöser oder poetischer Gedanke ist, jedenfalls ansatzweise geflügelt wie einige Wesen aus dieser Ecke, und schon wieder davon.

Lebensbaumarbeit hingegen, ein manchmal mühsames, manchmal riskantes Hangeln und Handeln, das bleibt. Eine Bewegung in weit ausgewölbten Geästen, Kronen und Stämmen, die in ihrer Gesamtheit den Lebenswald bilden. Ein in sich sehr unterschiedliches, vielleicht nicht einmal zusammenhängend zu denkendes organisches Gebilde. Mangrovenhaine wachsen ins salzige Meer hinaus, Lorbeerhaine und Korkbuchenhaine entwickeln sich zu ganz anderen Landschaften. Palmen wachsen auf die trockensten Erdplätze zu. Zitronenbäume kommen vorwiegend gepflanzt vor. Aber auch in der Zitrusplantage lässt es sich schön und gedankenverloren spazieren, unangefochten von den Planquadraten und ökonomischen Gesichtspunkten, die zur Entstehung dieser Haine beigetragen haben.

Im Verweilen und Umhergehen bleiben sie eher beiläufig.

Dasselbe gilt für den Saft, der aus den gelben Früchten in Flaschen gepresst und in die Regale der Märkte gestellt wird. Dasselbe gilt für die Zitronensäure, die heute so gut wie immer synthetisch hergestellt wird, als Grundstoff, der vorkommt, wo man ihn gar nicht vermuten würde.

Mit dem Lebenswald eng zusammenhängend, aber ihm nicht gleich, ist die Lebenswaldgrenze. Sie verläuft in unterschiedlichen Gebirgshöhen, je nach Süden oder Norden tiefer oder höher.

Hier sind, das stimmt schon, die Bäume manchmal verkrüppelt, von niedrigem Wuchs, sperrig und krumm. Im Winter haben sie von der Kälte zu leiden, von den Schneemassen, die auf ihnen lasten, zu allen Zeiten von den Stürmen, die in der Höhe besonders umstritten und ungestüm sind.

Aber auch in diesen Bäumen bewegen sich Kletterer, Menschen, die diese Regionen sogar suchen, wie die Eskimo Landstriche oder gefrorene Küsten, wo wiederum Zitronenhaine und sogar noch Pappelreihen, wie sie das nördliche Niedersachsen durchziehen, so gut wie unbekannt, schlicht unbeheimatet sind.

Allen Kletterern in den ausgesetzten Regionen, egal ob Wald oder Stein, Baum- oder Raumgrenze, sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt!

zu Michaux

Samstag, den 29. September 2007

dias0062.jpgIm Reich des Sichtbaren, ebenso wie in der Welt der sichtbar machenden Bilder, kommt es fortlaufend zu Umstellungen, Bewegungen, jähem Auftauchen. Man spricht von Erscheinungen. Sie ergeben sich aus den Bewegungen des Auges, aus den Zuckungen des Gesichts, aus dem Fortgang der Prozesse und Geschichten, aus den Strömen, die das Nervensystem durchlaufen.

Das führt Überlagerungen herbei, Sedimentierungen mit teils transparenten, teils opaken Schichtungen.

Manchmal sind es immer dieselben Ausschnitte und Sehstücke, die wiederkehren, zyklisch oder periodisch.                                            Es kommt zu Überschneidungen, Überlappungen.                    Sichtbares staut sich an oder verflüchtigt sich.                              Dünne und dickere Sehstränge reihen sich, knüpfen und schließen einander an.

Einige dieser Vorgänge hat Michaux gut beschrieben. Das ist ihm dadurch gelungen, dass er einen Standort außerhalb des eigentlichen Sehens bezog. Angeklammert an einen Balken, der sich vom Floß der Medusa gelöst hatte, ließ er sich durch den Weltraum, durch Sternenräume und Gaswolken schleudern. Er erfasste das Sichtbare aus den Wirbeln, mit denen das Licht, das Licht der Augen ebenso wie das der Sonne, beschleunigt.

Blindgänger

Freitag, den 28. September 2007

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viele Bürger warten

Freitag, den 28. September 2007

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in der Jalousie

Freitag, den 28. September 2007

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Übergang in ein fremdes Land, das im Dunkel vor einem liegt. Es geht über einen Steg, der einen schmalen, aber tief eingeschnittenen Bachlauf durchquert. Drüben wird eine Stimme vernehmbar. Sie füllt den ganzen Raum aus, das Dunkel, in dem die fremdartige Ortschaft eingebettet liegt. Es tönt von einem Turm oder von einer hohen Mauer, eine lebendige und melodische Menschenstimme, wie sie kein Lautsprecher und kein Automat hervorbringen kann. Beim Zuhören ist es so, als würde an der Jalousie gezogen, die zwischen Träumen und Vor-Leben hängt. Schmale Schlitze gehen auf und von drüben, aus dem dunklen Land scheint es durch, ein Anflug von Wärme, kein Licht, eine Wärme. Dann, bereits im Erwachen, das Gefühl, weder wirklich hüben noch drüben zu sein. Irgendwie angepasst an flüchtige, an vorübergehende Milieus und vermutete Regeln, ohne sich je zu eigen zu machen.

Tom schreibt

Donnerstag, den 27. September 2007

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Donnerstag, 27.o9.2007 haben wir heute. das ist neu.

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   jarwaf

ksebelfogd

      loirnbirnbbs

 

                                                        h

 

Ich wollte mich an den Fliegen stellvertretend dafür rächen

an meinen mitmenschen, solchen die ihren Körper verlassen können

und mich Tag und nacht mit ihrer Anwesenheit gequält haben

und ich dachte (was die ja sowieso getan haben,

nämlich in die Körper der Stubenfliegen zu schlüpfen)

und so dachte ich, das ich diese ganze unsichtbare herumgeisterrei

ein für alle mal ein Ende bereiten könnte.

Und so habe ich auf einen Spiegel in Spiegelschrift „REIN!“

geschrieben, dann mit äußerster Brutalität mindestens 6 Fliegen

totgeschlagen und dann auf den Spiegel groß „RAUS“ geschrieben.

Ich habe bei meiner Aktion leider vergessen, dass auch Fliegen

fühlende Wesen sind.

So ist die Hölle über mich hereingebrochen.

ich hoffe, ich komme jemals

mal wieder raus.

erbarmen.

Gehwege

Donnerstag, den 27. September 2007

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Doch Gehwege gehend                                  schon immer voraus

Traumarbeit

Donnerstag, den 27. September 2007

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Aufbau in den Himmel

Donnerstag, den 27. September 2007

gegen 8 Uhr

Gegen Morgen setzen heftige Träume ein. Vom Fenster in einem Haus am Rande Berlins den plötzlich herbeistürmenden Bodennebel beobachten. Nur knöchelhoch, aber alles ertrinkt darin. Ein paar Maulwurfshügel unten auf der Wiese, sie ragen noch für Augenblicke hervor, wie Bergkuppen aus einer gleichförmig zusammenhängenden, aber geschwind dahinziehenden Wolkendecke. Das wallt mit hoher Geschwindigkeit dahin, ein erstaunliches Naturschauspiel. Eigentlich wollte man heute die Rückreise antreten. Aber unter diesen Umständen noch zwei drei Tage Berlin. Über der weißen Fläche auf einmal Sturm in entgegengesetzter Richtung, der Zweige mit bunten Blättern vorm Fenster im Gegensinn vorbeireißt. In der Ferne zu sehen eine Frau mit Kopftuch. Zwischen hohen Rosenkohlstöcken und Staudenbeeten geht sie im Winkel von 45 Grad gegen den Sturm an. Dann doch noch Abflug oder Abreise. Euro- und Ausweiskontrolle, weil in der letzten Zeit viele Fälschungen vorgekommen sind. Die Kontrolleure sind sieben Männer in taubengrauen Anzügen. Sie nehmen Stichproben vor. Einer durchsucht einen ganzen Sack voller 1-Euro-Münzen. Dazu bemerkt er, es gibt keine Grenzen mehr, sie sind alle gefallen. Nach getaner Prüfarbeit führt das Septett einen albernen Ritus durch. Sie springen ausgelassen neben einander durch den Raum, erinnern an Känguruböcke, aber doch wie verabredet. Danach geht es ins Freie hinaus, wo man aufmerksam wird auf ein vielstöckiges Gebäude in der Ferne. Jemand sagt, das ist das Rock Hotel – spricht Rock ganz deutlich wie Rack aus –  dies ist das Rack Hotel, Aufbau in den Himmel. 

3 x Hagen

Mittwoch, den 26. September 2007

Nach einer Probierstunde im benachbarten Westfalen:

      Ist er nicht sagenhaft,

      aus westfälischen Lagen der Hagensaft?

 aus dem germanischen Sagenraum:

      Sören und aus Tronje den Hagen

      kennt man nur vom Hörensagen.

 zur Erinnerung an Hannovers Flughafen:

      Wisst ihr noch damals,

      als wir hangen und lagen

      an den bangen Hängen

      von Langenhagen?