Grazien

18. Mai 2012

2 von 3 Grazien

sichten

17. Mai 2012

Neben den Erkenntnissen, die einem durch Hub, Schub und Schrecken beigebracht werden, gibt es die “stillen Einsichten, denen man davonfließt, als wären sie an Ufern aufgestellt …“ Diesen ’stillen Einsichten’ fehlt jedes gewaltsame Moment: „… man sieht sie bloß, während man an ihnen als Fluss vorbeischwimmt.“ *
Daher fällt selbst der Abschied von ihnen schmerzlos und sanft aus.
Ja, er findet in Wahrheit gar nicht statt.
Das „panta rhei“, des Heraklit, das „alles fließt“ gibt dem Fluss zwischen Himmel und Ozean seine schier unendliche Dauer.
Die stillen Einsichten fahren fort, sich in der Strömung zu spiegeln.
Sie bleiben als bewegliche Bilder auf dem Rücken des Flusses bewahrt.

Auf seinem Rücken, nicht auf seiner Oberfläche.

Das Davonfließen ist eine Art Täuschung, während die Spiegelung, bei aller Veränderlichkeit, dem Fluss erhalten bleibt, so lange er seinen gemächlichen Gang zwischen den Ufern beibehält und den dort aufgestellten Einsichten Gelegenheit gibt, sich in den Wassern wieder und wieder zu erkennen.

E. Canetti, Nachträge aus Hampstead, 160

spähen

16. Mai 2012

Späher

spähen aus

unausgewogen

15. Mai 2012

prekäre Abwägung

Athletik

15. Mai 2012

originäre Korruption

14. Mai 2012

„Dass Machthaber so falsch handeln, ist weiter nicht verwunderlich. …“*
Macht blendet und verblendet sowohl die scheinbar Mächtigen wie die Ohnmächtigen.
„Dass ihrem unsäglichen Misserfolg zum Trotz Menschen sich immer noch zur Machthaberei drängen, ist unfassbar. Wo nur nimmt man, mit diesen monströsen Beispielen vor Augen, die Stupidität dazu her, und wie ist es möglich, sich gegen alles, was je geschehen ist, wieder und wieder zu belügen.“ *
Vielleicht ist Machthaberei mit Rechthaberei verwandt.
Derselbe Starrsinn, dieselbe unbelehrbare und unheilbare Sucht.
Sucht im Sinne von Siechtum.
Wie tief muss die primäre Erfahrung infantiler Ohnmacht stecken, wie kränkend muss der Verlust frühkindlicher Allmachtsgefühle gewesen sein, dass Blendwerk und Gepränge von Macht und Recht einen so anstacheln können, dass man ein Leben lang hinterherläuft.

E. Canetti, Nachträge aus Hampstead, 151

Bad Salzdetfurth

13. Mai 2012

einst
und jetzt

beim Floristen

12. Mai 2012

fragwürdiger Ruhm

11. Mai 2012

„Um Ruhm zu genießen“, urteilt Canetti, „braucht man Unschuld und Dummheit.
Beides hat man nicht, wenn der späte Ruhm einschlägt.“ *
Beim Ruhm, der in der Frühe aufkommt, liegen die Dinge anders:
mit Enthusiasmus verkraftet man alle damit einhergehenden Strapazen;
die vergiftenden Folgen für Beziehung und Freundschaft schlagen kaum durch;
man verfügt noch über jene Mixtur aus Unerfahrenheit und Einfalt, die übrigens erst im Nachhinein sich als unschuldige – oder sagen wir lieber: als unverschuldete Dummheit herausstellt.
Eine Mischung, die für Leidenschaften jeglicher Art einen wundervollen Nährboden abgibt, gerade auch für die Passionen des Ruhms.

*) E. Canetti, Nachträge aus Hampstead, 160

unersetzlicher Verlust

10. Mai 2012

Wenn Vergangenheit verloren geht, dann ist das kein Problem, eher dem normalen Gang der Dinge entsprechend. Aber um eine verlorene Zukunft machen sich die Menschen am meisten Sorgen, wahrscheinlich zu recht. Denn eine verlorene Zukunft findet man schlecht oder niemals wieder.
Man weiß nicht, wie sie aussieht und weiß nicht, wonach man suchen soll, um zu finden, was man verloren hat. In ihr, in ihr allein findet es sich, „das verlorene Herz der Dinge: ihre Unerschaffenheit.“*

*) E. Canetti, Nachträge aus Hampstead, 180